1970 - 1973 in Lateinamerika - Santiago de Chile


     
In Chile war ich ein privilegierter Pionier aus der DDR!

          
Da haben wir gewohnt und gelebt.

   
Ich muß bis heute gestehen: Ich mag diese Musik! Auch wenn sie zur damaligen Zeit völlig ideologisch überlastet war!

         
Die Ureinwohner (Indianer, vor allem die Mapuchos) haben sehr viel von ihrer Volkskunst für den Tourismus weiterentwickelt. Lederartikel in allen Variationen mit den typischen chilenischen Motiven, die eingebrannt wurden. Dieses holzgeschnitzte Riesen-Besteck hängt wohl in jedem Haushalt, deren Angehörige Chile einmal besucht haben. Nun eben auch in meinem Küchen-Museum!
 

Wie gesagt: Geschichtsunterricht gibt es hier nicht wirklich. Nur paar Übersichtlichkeiten und Erinnerungen.
http://de.wikipedia.org/wiki/Chile = Das ist die offizielle Seite, auf der man ganz viel Geschichte finden kann.
http://www.ciudad.cl/ = Das ist die offizielle Seite von Santiago de Chile.

1974 -
4. März: Uraufführung der Chile - Dokumentation „Der Krieg der Mumien”, (Chile vor und nach dem Putsch 1973) Regie: Walter Heynowski, Gerhard Scheumann, im Berliner Filmtheater „Kosmos”.

1977 -
28. Juni: Uraufführung des DEFA - Dokumentarfilms „Venceremos con la solidaridad - Wir werden siegen durch die Solidarität”, Regie: Joachim Hadaschik,(Luis Corvalan, Generalsekretär der KP Chiles zu Besuch in der DDR) im Berliner Filmtheater „Colosseum”.

1978 -
17. April: Uraufführung der DEFA - Dokumentarfilms „Die Toten schweigen nicht” (8. Chile - Film), Regie: Walter Heynowski, Gerhard Scheumann.

1983 -
25. Juni: Veranstaltung „Filme aus Chile - Filme über Chile” in der Akademie der Künste Berlin. Filme aus Chile „Der Schakal von Nahueltoro”, Regie: Miguel Littin (1969, Spielfilm), „Liebe Genossen”, Regie: Pablo de la Barra” (Spielfilm) und Dokumentarfilme. Filme über Chile von W. Heynowski, G. Scheumann, P. Hellmich: „Mitbürger”, „Der Krieg der Mumien”, „Geldsorgen” u. a.

 

Man spricht vom "längsten Handtuch der Welt" und einem "gelungenen geographischen Witz". Kein Wunder. Eine Länge von 4.275 km und eine durchschnittliche Breite von 188 km formt wirklich eine "loca geografía", die für Chile so bezeichnende "verrückte Geographie". Die breiteste Stelle beträgt bei Antofagasta 355 km, die schmalste rund 90 km auf der Höhe von Illapel. Mittendrin eine unvergleichliche Fülle landschaftlicher Faszination: Wüstenhügel und Andengipfel, heiße Quellen und Geysire, Fjorde und Gletscher.
Chile, amtlich República de Chile, Republik im Südwesten Südamerikas, die im Norden an Peru, im Osten an Bolivien und Argentinien und im Süden und Westen an den Pazifischen Ozean grenzt.
Das Land hat eine äußerste Nord-Süd-Erstreckung von 4 270 Kilometern, die durchschnittliche Breite dagegen beträgt nur 180 Kilometer.
Der Süden Chiles umfasst zahlreiche Inseln und reicht bis nach Patagonien, von der Insel Chiloé bis zum Kap Hoorn, dem südlichsten Punkt des südamerikanischen Kontinents. Zu den bekannteren Inseln gehören der Chonos-Archipel, die Wellington-Insel und der westliche Teil von Feuerland. Der Küste Chiles vorgelagert liegen die Inseln San Felix und San Ambrosio,
die Isla Sala y Gómez im südlichen Pazifik, die Juan-Fernández-Inseln (mit der Robinson-Crusoe-Insel)
    
sowie die
Osterinsel, die erst seit 1888 zur fernen Andenrepublik gehört (Rapa Nui). Hier erheben sich die weltberühmten Steinstelen polynesischer Bildhauer, die als Zeugen einer versunkenen Kultur seit Jahrhunderten von Mysterien umweht werden. Es ist Chiles aufregendstes Freilichtmuseum, geprägt von den zeremoniellen Freiluft-Tempelanlagen (ahu), auf denen die Insulaner einst ihre steinernen Kolossalfiguren (moai) verehrten. Es waren Symbole der vergöttlichten Ahnen, Mittler zwischen Lebenden und Göttern. Chile beansprucht außerdem einen Teil der Antarktis.
Zu den bedeutenden Städten in Chile zählen neben Santiago auch Concepción, Zentrum der Landwirtschaft und Industrie (350 000 Einwohner), Valparaíso, (Der Hauptimporthafen Chiles ist zugleich der größte Hafen an der Westküste Südamerikas) (280 000), und Viña del Mar, ein beliebter Urlaubsort (320 000).

Die Herkunft des Wortes Chile ist nicht eindeutig nachgewiesen. Die verbreitetste Erklärung ist, dass sich das Wort aus der Sprache der Aymara herleitet. Dort bedeutet das Wort chilli „Land, wo die Welt zu Ende ist“.

    
Mit der Hauptstadt Santiago de Chile erwartet uns ein Fünf-Millionen-Moloch in einem gewaltigen andinen Becken. Herzstück der 1541 von Pedro de Valdivia ins Leben gerufenen Metropole ist die Plaza de Armas mit der neoklassizistischen Kathedrale und einem Reiterdenkmal des Stadtgründers.
    
Rundherum breiten sich geschäftige breite Fußgängergassen aus, die ebensogut in Südeuropa liegen könnten. Einen Abstecher lohnt der quirlige Zentralmarkt mit seinen Fischrestaurants. Aus kolonialen Zeiten hat sich wenig originalgetreu erhalten; als das am besten erhaltene Kolonialgebäude gilt die Casa Colorada vom Ende des 18. Jahrhunderts, heute Sitz des Stadtgeschichtlichen Museums. Nicht versäumen sollte man den Besuch des im einstigen Königlichen Zollpalast untergebrachten Museums für Präkolumbinische Kunst mit Gold- und Silberschmuck sowie Keramik- und Webarbeiten verschiedener andiner Kulturen. Von den tragischen Ereignissen der jüngeren Geschichte ist der Moneda-Palast umweht, in dem Präsident Salvador Allende beim Staatsstreich 1973 den Tod fand.
Gute Ausblicke über Santiago bieten sich vom citynahen Hausberg Santa Lucía, doch für das bessere Panorama bürgt der 880 Meter Cerro San Cristóbal. Hier thront man rund 300 Meter über dem Häusermeer und schaut hinüber auf die Kordilleren. Eine Riesenstatue von Maria (als Gegenstück zum Jesus von Rio) dient dort oben als kleiner Tempel.
    
Obwohl diese Jungfrau Maria als Gegenstück zum Jesus in Rio ein Wahrzeichen für Santiago ist, habe ich tatsächlich kein Foto davon gefunden. Oben auf dem Stadtplan sieht man den Standort, hier auf dem rechten Foto sieht man den Sockel der Maria, wo ein altarähnlicher Raum eingebaut wurde, an dem alle Gläubigen Kerzen entzündeten. Ich hatte (aus welchem Grund auch immer) jahrelang Albträume wegen dieser riesigen Maria und traute mich lange nicht darüber zu sprechen. Diese Statue machte mir einfach Angst - diese Gruft darunter - diese mächtige Figur - ich kann es bis heute nicht erklären - es gibt keinen wirklichen Grund für diese Albträume - aber ich hatte sie.....

Man kann den Berg
mit einer Zahnradbahn und einer Seilbahn erklimmen. Auf dem Berg befinden sich unter anderem auch der Zoo von Santiago.
         

    
An dieses Schwimmbad kann ich mich sehr gut erinnern - es erinnerte mich an einen Pool in Dar es Salam mit Blick auf den Kilimandscharo, aber im Gegensatz dazu war das Wasser so arschkalt, dass wir uns fast ausschließlich außerhalb des Wassers vergnügten dort im Bad auf dem Cristobal!


Die Lage Santiagos erlaubt es, im Umkreis von 100 km auf Skipisten wie denen von Portillo zu wedeln,
              
(Dies war aber für Einheimische unerreichbar - ich sprach Jahre später mit Exilchilenen, die mich dann anschauten, als würde ich alle 14 Tager in St. Moritz Skifahren - wir waren als ausländische Diplomaten privilegiert!)
Man kann sich in den heißen Bergquellen der Baños Morales und der Baños Colina baden und sich an den Sandstränden des Ozeans ausstrecken. Während des Südsommers zieht es viele Urlauber an die Küste nach Viña del Mar, das sich mit den Beinamen "Perle des Pazifiks" und "Gartenstadt" schmückt. Viña del Mar bietet ein überwältigendes Hotel- und Restaurantangebot und steht in Chile als Synonym für Baden, Bräunen, Ausgehen, Flanieren und Shopping, kurzum: Vergnügen aller Art. Rasch erreicht sind weitere sommerliche Ferienzentren wie Reñaca und Concón.
Viña del Mar = Der beliebteste Badeort Chiles - wegen seiner gepflegten, subtropischen Grünanlagen auch Ciudad Jardín ("Gartenstadt") genannt - liegt nur 10 km nördlich von Valparaíso. Pferdekutschen befördern Besucher an den herrlichen, um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert erbauten Villen vorbei, die das Fluss- und Meeresufer säumen. Weitere Attraktionen sind die weißen Sandstrände, die zahlreichen Parks sowie sehenswerte, in restaurierten Herrenhäusern untergebrachte Museen. Darüber hinaus besitzt Viña del Mar den wichtigsten botanischen Garten Chiles, ein 61 ha großes Gelände mit einheimischen und exotischen Gewächsen.

Valparaíso = Das 120 km nordwestlich von Santiago gelegene "Valpo" besitzt den wichtigsten Hafen des Landes und ist die zweitgrößte Stadt Chiles. Ungeachtet ihrer gewaltigen Ausmaße zählt sie zu den schönsten Metropolen Südamerikas und gilt zu Recht als die sehenswerteste des Landes. Während das eigentliche Zentrum mit seiner bezaubernden Altstadt einen schmalen Landstreifen zwischen Meer und Hügeln einnimmt, verteilen sich die Vororte auf die umliegenden Hänge - Aufzüge, Seilbahnen und steile Treppen verbinden sie mit der Unterstadt. Valparaíso ist ein wahres Labyrinth, in dem man sich wahrscheinlich nur dann mühelos zurechtfindet, wenn man hier aufgewachsen ist. Die Stadt eignet sich wunderbar zum ziellosen Herumschlendern, aber auch die berühmten Museen lohnen einen Besuch. Muelle Prat, die schön renovierte Hafenpromenade, ist ein lebhaftes Marktgelände.


Ja, wir haben als die privilegierten Ausländer auch Ausflüge nach Viña del Mar und Valparaíso gemacht. Ich als Kind habe es sehr genossen!
Heute weiß ich, wie sehr wir zur unbeliebten HighSociety gehörten!

Die durchschnittlichen Januartemperaturen liegen in Santiago bei 19,5 °C, die Julitemperaturen bei 8 °C (Santiago).
(Schnee gibt es nur in den Anden. Auch hier wieder mein gestörtes Verhältnis zum weißen Regen.)
Spanisch wird gesprochen, sonstige Sprachen: Mapuche, Aymara, örtlich (z.B. Puerto Montt) Deutsch
Die Währungseinheit Chiles ist der Chilenische Peso (1 Peso = 100 Centavos). Der Peso wurde 1975 eingeführt und ersetzte den Escudo.

Palacio de la Moneda, Sitz des chilenischen Präsidenten

         Die Nationalblume Chiles ist die rote Copihue-Blume (Lapageria rosea), eine Kletterpflanze.
(Was habe ich als Kind dort eifrig wieder und wieder diese Blume gemalt und gebastelt. Das weinrot war jahrelang meine Lieblingsfarbe.)

Chile liegt in einer Zone geologischer Instabilität, weshalb Erdbeben häufig vorkommen und die vulkanische Aktivität mit noch aktiven Vulkanen in Nord- und Mittelchile recht ausgeprägt ist.
Chile 22. Mai 1960 - Das Erdbeben erreichte die Stärke 9,5 auf der Richterskala und hatte über eine Woche lang erhebliche Nachbeben, die alle insgesamt eine Fläche von 145.000 Quadratmetern umwälzten. Vulkanausbrüche, Lawinen und Erdrutsche sowie Tsunamis wurden ausgelöst. 5.000 Menschen kamen uns Leben. Die Flutwellen, die unvorbereitet für die Bevölkerung bis vor die Küste Japans brandeten, töteten dort weitere 119 Menschen. Auch Hawaii, die Philippinen, Neuguinea und Neuseeland waren betroffen. Das bisher stärkste gemessene Erdbeben der Welt, mit anschließendem Tsunami.
1970 -
31. Mai - Erdbeben in Nord-Chile und Peru, etwa 66.000 Tote

(Dieses Beben habe ich dort erlebt in Santiago und bin mit meinem Bett durchs Zimmer gerutscht. In Erinnerung ist mir das Klirren der Scheiben geblieben - die sind dort nämlich lose in die Metallrahmen eingebaut, damit bei Erschütterungen ein Spielraum besteht und das Glas nicht sofort bricht. Und in Erinnerung sind mir aufgerissene Straßen geblieben und die hilflose Angst der Chilenen, die solche Erdbeben extrem fürchten.)

Vulkan Licancabur in der Atacamawüste In der Atacamawüste befinden sich mehrere Vulkane wie etwa der Licancabur, ein mächtiger Schildvulkan. Die überdimensionalen Statuen auf der Osterinsel sind aus vulkanischem Gestein errichtet worden.
(Ich kann mich erinnern, dass wir sehr viel mit Vulkangestein rumgemurkst haben als Kinder. Jeder hatte irgendwie so einen Klumpen zu Hause als Mitbringsel von einem der Ausflüge dort.)

Wie in anderen Ländern Südamerikas haben Musik und Tanz auch in Chile einen hohen Stellenwert.  Die Cueca wurde offiziell zum Nationaltanz von Chile erklärt und wird auch insbesondere jedes Jahr wieder bei den Feiern zum Nationalfeiertag am 18. September getanzt. Die Cueca ist ein Paartanz, bei dem sich die beiden Tanzpartner aufeinander zu und im Halbkreis umeinander herum bewegen. Die Cueca wirkt somit wie ein Balztanz. Der Tänzer und die Tänzerin tragen jeweils ein Taschentuch in ihrer rechten Hand, mit dem sie ihre Bewegungen und den Balzcharakter des Tanzes unterstreichen. In Chile gibt es mehrere regional unterschiedliche Variationen der Cueca. Dies entspricht den jeweiligen Ausprägungen der regionalen musikalischen und Tanz-Folklore und findet auch seine Entsprechung in jeweils für die Region typischen Kleidungen, die bei der Cueca von den Tänzern getragen werden. Eine nahe Verwandtschaft weist die Cueca mit der peruanischen Marinera auf, beide Tanzformen finden ihren Ursprung in der spanischen Zamacueca.
(Ich weiß, dass ich oft und gern diesen Cueca getanzt habe - auch nach 1973 noch jahrelang in Deutschland zum Vergnügen von Bekannten und Verwandten.)

Chile besitzt eine reiche und blühende künstlerische Tradition, worauf u. a. die beiden Literaturnobelpreisträger Gabriela Mistral und Pablo Neruda hinweisen. Isabel Allende (*1942) ist wohl die bekannteste zeitgenössische Schriftstellerin Chiles. Víctor Jara (1932-1973) war ein politischer Sänger und zählt zu den großen Vertretern der „Nueva Canción“ (Neues Lied), einer breiten revolutionären künstlerischen Bewegung in ganz Südamerika. Er unterstützte aktiv Salvador Allende und wurde während des Militärputsches 1973 gefoltert und getötet. Gabriela Mistral (1889-1957), Dichterin und Nobelpreisträgerin 1945, schrieb in ihren Gedichten über Liebe, Tod und Hoffnung, nachdem ihr Geliebter Romelio Ureta Selbstmord begannen hatte. Später arbeitete sie im diplomatischen Dienst Chiles. Pablo Neruda (1904-1973), ist ein weltbekannter Dichter, Schriftsteller und Nobelpreisträger 1971. Er verfasste viel soziale und politische Lyrik und arbeitete als Botschafter in Frankreich für die Regierung von Salvador Allende. Er starb kurz nach dem Militärputsch 1973 an Krebs. Sein Begräbnis wurde zur ersten öffentlichen Demonstration gegen das Militärregime. Die Gruppen Inti Illimani und Quilapayún machten die Musik der "Nueva Canción Chilena" weltbekannt. Sie mussten nach dem Militärputsch lange Jahre im Exil verbringen und haben ihr musikalisches Spektrum beständig erweitert. Roberto Matta (1911-2002), großer surrealistischer Maler des 20. Jahrhunderts und Freund von Salvador Dalí und Federico Garcia Lorca.

Die chilenische Küche ist kein Ableger der spanischen Küche, wie viele vermuten. Vielmehr gibt es eine Vielzahl von Einflüssen – auch aus Deutschland. So finden wir die deutschen Bezeichnungen „Kuchen“ und „Apfelstrudel“ auch auf Werbetafeln chilenischer Cafés.
Neben einem reichen Angebot an Meeresfrüchten wird in Chile gerne mit Cochayuyo, getrockneten Meeresalgen, gekocht. Durch Grillen zubereitetes Fleisch, das so genannte Asado, ist wie im Nachbarland Argentinien eine nationale Tradition. Neben Rindfleisch werden dabei vor allem die würzigen Paprikawürste Longanizas verwendet. Außerdem wird auch gerne Huhn gegessen.
Zu den Nationalgerichten zählen die chilenische Empanada, das sind mit Hackfleisch, Ei und Oliven gefüllte Teigtaschen, und die Cazuela, eine kräftige Suppe mit Hühnchen und Maiskolben. Humitas sind ein Maisbrei, der in Maisblättern gekocht wird und süß oder salzig gegessen wird.
(Hier kann ich mich nur an die Empanadas erinnern, die mir dann in den 90'er Jahren in Spanien wiederbegegneten. Aber ob ich sie gut oder schlecht fand.... keine Ahnung. Die Erinnerung daran ist völlig verblaßt. Beim Essen fällt mir immer nur unsere Schulköchin Maria ein, die mich und ich sie abgöttisch liebte.)

Der Wein in Chile ist von sehr guter Qualität und wird zunehmend auf den Weltmarkt exportiert. Das Land gehört mittlerweile zu den sechs bedeutendsten Weinproduzenten der Welt. Rebsorten wie Merlot und Cabernet Sauvignon sind im Rotweinsegment weit verbreitet und werden auf verschiedenen Qualitätsstufen produziert. Eine exklusive Weinsorte ist die Carmenère, eine besonders empfindliche Rebsorte von außergewöhnlicher Qualität, die praktisch nur in Chile angebaut wird. Mit den Peruanern streiten sich die Landeseinwohner, wer den Pisco – einen Branntwein aus Trauben – erfunden hat, jedoch übersteigt die Piscoproduktion Chiles die peruanische um etwa das 46-fache.

Chile verfügt über die größten bekannten Kupfervorkommen der Welt (etwa 40 Prozent) und gehört zu den führenden Produzenten dieses Metalls. Das Kupfer nimmt den größten Stellenwert beim Export ein, der Anteil beträgt etwa 35 Prozent des jährlichen Exportvolumens. Rohöl und Erdgas (erstmalig 1945 entdeckt) werden auf Feuerland und in der Magellanstraße gewonnen. Etwa zehn Millionen Barrel Rohöl und 862 Millionen Kubikmeter Erdgas werden jährlich gefördert. Das Eisenerz erreicht pro Jahr eine Produktion von etwa 6,8 Millionen Tonnen, wodurch auch dieser Bodenschatz eine wichtige Rolle für das Land spielt. Chile verfügt darüber hinaus über große Vorkommen an Nitraten, Iod, Schwefel und Kohle sowie Silber, Gold, Mangan und Molybdän. Die ehemals große Bedeutung der Salpetervorkommen in der Atacama-Region, die aufgrund des Salpetermonopols (siehe unten: Geschichte; Liberale Regierung und Kriege mit dem Ausland) für den enormen Reichtum Chiles Ende des 19. Jahrhunderts bis in die zwanziger Jahre dieses Jahrhunderts sorgten – der stickstoffreiche Salpeter war damals Hauptbestandteil der Düngemittel –, ging durch die Verbreitung des Mineraldüngers stark zurück.
(Viele Souvenirs wurden aus Kupfer gemacht und einige wenige hängen auch an meiner privaten Museumswand in der Küche.)

Nachdem Chile lange Zeit – auch aus Rücksicht auf die zahlreichen deutschstämmigen Chilenen – im Zweiten Weltkrieg neutral geblieben war, beschloss 1944 Präsident Juan Antonio Ríos Morales, an der Seite der Alliierten in den Krieg einzutreten, aber der Einfluss Chiles auf den Kriegsausgang blieb unbedeutend. Der "Deutsche Club" in Santiago wurde während des Krieges in "Club Manquehue" umbenannt. Viele Nationalsozialisten flüchteten nach Kriegsende in lateinamerikanische Länder, viele davon nach Chile. 1945 gehörte das Land zu den Gründungsmitgliedern der Vereinten Nationen und trat 1948 der OAS bei. Das Frauenwahlrecht wurde 1949 eingeführt.

Michelle Bachelet = Nachdem im ersten Wahlgang keiner der Kandidaten die erforderliche absolute Mehrheit erreichte, kam es am 15. Januar 2006 zu einer Stichwahl zwischen Michelle Bachelet und Sebastián Piñera, aus der Bachelet als Siegerin hervorging. Sie ist damit die erste demokratisch gewählte Präsidentin Lateinamerikas.

 


Diese Zeit endete leider mit einer meiner bitterlichsten Erfahrungen in meinem Leben!
Wir waren erst Ende September 1973 wieder in der DDR und die Bilder aus diesen Tagen sind eingebrannt, obwohl wir Kinder sehr sehr behütet wurden und man uns fernhalten wollte und im Innern der Botschaft verbarg. Es gelang nicht immer!
Ich kann mich an erschossene Menschen erinnern, an den Schrecken, als wir im kleinen Fernseher in der Empfangshalle der Botschaft die Bomben auf nur allzu bekannte Gebäude fielen sehen, an die geflüsterten Schreckensnachrichten der Erwachsenen (u. a. Maria, die Schulköchin weg; Mario, der Schulbusfahrer erschossen), eine Familie Scheich, die in letzter Minute Bombenhagel entkam (mit den Töchter hatte ich oft Zeit verbracht), an eine fürchterliche Nacht in der San Sebastian mit meiner Mutter mit pausenlosem Maschinengewehrgeknatter und zersplitterten Scheiben und Armeestiefel im Hausflur, an Essensrationen in der Botschaft (die weniger uns Kinder betraf, aber die wir Kinder bemerkten), an Flüchtlinge in der Botschaft, versteckte Menschen (u. a. im Fernschreiberraum?) - ein fürchterliches Durcheinander geballter Eindrücke.
Auch beginnen hier meine Probleme mit den Geheimnissen eines Staates. Meine persönlichen Erinnerungen an diese Wochen wurden durch alle Beteiligten (und besonders vehement durch meine Eltern) wieder und wieder bestritten und für falsch erklärt. Es ist mir nie gelungen, darüber in Ruhe zu reden. Manchmal fand ich andere Deutsche, die zu diesem Zeitpunkt in Santiago waren. Aber sie waren damals nicht in der Botschaft, konnten nichts sagen. Eine Mauer aus Schweigen hatte sich um diese Zeit geschlossen. Geblieben sind die fürchterlichen Erinnerungen an diesen September.
El Cantor - DDR-Film von und mit Dean Reed gewidmet dem chilenischen Sänger Victor Jarra, der in Unitad Popular als "El Cantor" gefeiert wurde und nach dem Sturz der Allende-Regierung ein Opfer der Putschisten wurde. Dieser Film hat viele Erinnerungen wachgerufen.

2006 - Dezember - 10.
Pinochet ist tot!
Er wurde für die nachfolgenden Ereignisse und die jahrzehntelange Schreckensdiktatur bis 1990
nie zur Verantwortung gezogen!

11. 09. 1973: Terror im eigenen Land
Die Bilder vom blutigen Militärputsch in Chile am 11. September 1973 gingen um die Welt. Flammen schlugen aus dem Dach des Amtssitzes von Präsident Salvador Allende in der Hauptstadt Santiago de Chile. Die chilenische Luftwaffe bombardierte den "Palacio de la Moneda", anschließend erstürmte die Armee den Palast. In einer letzten Radioansprache wandte sich Allende an die Bevölkerung: "Ich werde meinen Posten nicht verlassen. Ich werde mit meinem Leben das Amt verteidigen, das mir das Volk gegeben hat". Danach fand man ihn erschossen auf. Bis heute ist unklar, ob er wie offiziell erklärt Selbstmord beging, oder ob er erschossen wurde.

Der faschistische Putsch in Chile = Eine Chronik der Ereignisse
29. Juni 1973:
Der erste Putschversuch der Militärs. Da sich der Befehlshaber des Heeres, General Prats, auf die Seite der verfassungsmäßigen Regierung stellte, wurde der Putsch niedergeschlagen.
Juli und August 1973:
Verunsicherung und psychologischer Druck auf die Bevölkerung und die Armee: Verfassungsklagen der Opposition, Überfälle auf Lebensmittel- und Materialtransporte
Aufruf zur Wirtschaftssabotage, von amerikanischem Kapital finanzierter Streik (Streikgelder höher als Löhne !) der Fuhrunternehmer.
Streik der Einzelhändler, Ärzte und des Flugpersonals (ihnen waren ungerechtfertigte Privilegien entzogen worden)
Eliminierung der loyalen Kräfte in der Armee: Ermordung Kapitän Araya; Mordanschlag auf General Prats, weitere Morde innnerhalb der Armee; Verurteilung von Marineoffizieren, die Putschpläne enthüllten, durch das Militärgericht.
bewaffnete Überfälle und Sprengstoffanschläge durch die Terrororganisation "Patria y Libertad". Zwischen 23.Juli und 5.September wurden insgesamt 1015 Terroranschläge bekannt.
Razzien durch die Armee in Arbeitersiedlungen und staatlichen Betrieben, teilweise mit Schußwaffeneinsatz (Berufung auf das "Gesetz über Waffenkontrolle")
Propagandafeldzug in den rechtsgerichteten Medien: angebliche Attentatspläne und bewaffnete Extremisten; Forderung an den Präsidenten, sich das Leben zu nehmen.
24. August:
General Pinochet tritt als Oberbefehlshaber des Heeres an die Stelle von General Prats. Bereits vorher wurde der Oberbefehlshaber der Luftwaffe, General Ruiz, durch General Leigh abgelöst.
4. September:
Kleinhändler beginnen einen unbegrenzten Streik; öffentliche Verkehrsmittel sind zum großen Teil außer Betrieb; es herrscht Benzinmangel. Der langandauernde Streik der Fuhrunternehmer führt in vielen Bereichen der Industrie zur Einstellung der Produktion.
11. September 1973:
4:30 Uhr
Besetzung aller strategisch wichtigen Punkte in den beiden großen Hafenstädten Valparaiso und Concepcion durch Marine und Luftwaffe (Postämter, Verwaltungen, Universitäten, Parteibüros, Druckereien, Rundfunkstationen, Betriebe, Brücken).
Unterbrechung des Telefonverkehrs zur Hauptstadt Santiago.
Verhaftung aller linken Funktionäre, die "gefährlichsten" werden sofort erschossen.
7:30 Uhr
Präsident Allende trifft mit Leibwache in der "Moneda" ein. Davor wartet bereits ein Heer von Journalisten auf die kommenden Ereignisse.
8:00 Uhr
Rechtsgerichtete Rundfunksender übertragen eine "Proklamation der Militärregierung". Diese beinhaltet die Amtsenthebung des Präsidenten und die Ausrufung des Kriegsrechtes.
8:30 Uhr
Umstellung des Regierungssitzes "Moneda" durch Panzereinheiten. Aufforderung an alle Radiosender, eigene Programme einzustellen. Aufforderung an die Bevölkerung, zu Hause zu bleiben. Aufforderung an den Präsidenten, sich zu ergeben.
Präsident Allende erklärt über Radio "Portales", daß er nicht zurücktreten und das ihm übertragene Amt verteidigen werde.
9:00 Uhr
Radio "Portales" wird durch einen Bombenangriff ausgeschaltet. Die Militärs melden die Einstellung aller nicht von ihnen kontrollierten Radiosendungen.
Entgegen dieser Behauptung sendet Radio "Magellanes" noch und ermöglicht die Übertragung der Letzten Rede von Präsident Allende.
9:30 Uhr
Ultimatum der Militärs, den Palast der Moneda bis 11:00 Uhr zu räumen; ansonsten erfolgen Luftangriffe. Verbot an alle Arbeiter, ihre Betriebe zu verlassen. Bei Zuwiderhandlung droht sofortige Erschießung. Hubschrauber kreisen über der Stadt und kontrollieren alle Bewegungen. Strategisch wichtige Institutionen der Hauptstadt werden militärisch angegriffen und - teilweise nach erbitterter Gegenwehr - besetzt. Dieses sind: alle Großbetriebe, Technische Universität, Banken, Parteibüros, Zeitungen, Ministerien und Behörden. Im Nationalstadion von Santiago wird ein Konzentrationslager eingerichtet.
10:30 Uhr
Präsident Allende lehnt das Angebot der Kapitulation und freien Ausreise ins Ausland ab. (Viele Jahre später wurden Tonbandprotokolle von Beratungen Pinochets bekannt, die belegen, daß auch im Falle der Kapitulation Allendes dessen Ermordung fest eingeplant war.)
10:45 Uhr
Einige Personen, darunter 2 Töchter Allendes, verlassen unbewaffnet die Moneda.
11:00 Uhr
Bombardierung des Präsidentenpalastes Moneda. Gleichzeitig wird auch der Wohnsitz von Allende angegriffen.
11:30 Uhr
Alle Reporter werden gezwungen, die Gegend um die Moneda zu verlassen. Es beginnen die Versuche, den Palast zu stürmen, von dort erfolgt heftige Gegenwehr.
12:00 Uhr
Anweisung einer totalen Ausgangssperre für die gesamte Stadt Santiago ab 15:00 Uhr bei Androhung der Erschießung für jede Zuwiderhandlung.
13:00 Uhr
In der "Universidad de Chile" wird die Arbeit eingestellt.
14:00 Uhr
Einnahme der Moneda.
16:00 Uhr
Der Leichnam Präsident Allendes wird unter größten Sicherheitsvorkehrungen aus der Moneda geholt und mit einem Hubschrauber abtransportiert.
19:00 Uhr
Die Militärjunta, bestehend aus den 4 Befehlshabern der Waffengattungen, stellt sich im Fernsehen (Canal 13) vor. Die Befehlshaber der Marine (J. T. Merino) und der Carabineros (C. Mendoza) haben sich erst im Verlauf des Putsches selbst eingesetzt. Es werden Zustimmungserklärungen von Berufsverbänden verbreitet.
12. September:
Vollständige Ausgangssperre für die gesamte Provinz Santiago. Vestärkung des Terrors, der Hausdurchsuchungen und Erschießungen. Stürmung der kubanischen Botschaft, Verwundung des Botschafters und Ausweisung aller kubanischen Diplomaten. Veröffentlichung von Namenslisten gesuchter Personen, Beginn der Hetzjagd im ganzen Land. Berufung der neuen Minister (fast ausschließlich Militärangehörige).
13. September:
Brasilien, Uruguay und Paraguay erkennen die Militärjunta diplomatisch an. Fortsetzung der Terrorwelle und der Verhaftungen. Etwa 7000 Personen, darunter auch Ausländer, befinden sich in dem im Nationalstadion eingerichteten KZ. Es erfolgen die ersten Deportationen auf die Inseln Quiriquina und Selkirk. Der Oberste Gerichtshof stellt sich hinter die Militärjunta. Der Kardinal von Santiago äußert Bedauern über die Ereignisse. Auflösung von Parlament und Senat, Verbot von Parteien und bestimmten Gewerkschaften.
14. September:
Die Ausgangssperre wird tagsüber zu bestimmten Zeiten aufgehoben. Der Reihe nach werden in den Stadtvierteln alle Wohnungen durchsucht. Tag und Nacht sind Schüsse aus Gewehren und Maschinenpistolen zu hören. Schulen und Universitäten bleiben bis auf weiteres geschlossen.
24. September:
Der weltbekannte Dichter und Nobelpreisträger Pablo Neruda stirbt in seinem von den Militärs völlig isolierten Haus in Chile, einen Tag vor der geplanten Ausreise der Familie ins mexikanische Exil. Noch am Vortag hatte der französiche Botschafter ihm im Namen der französischen Regierung den Orden der Ehrenlegion überrreicht.
25. September:
Trotz der Militärpräsenz versammeln sich Tausende, um Pablo Neruda die letzte Ehre zu erweisen. Sein Haus wurde inzwischen von den Militärs völlig verwüstet. In einem Bericht der französischen Sonderkorrespondentin heißt es:
... Fensterscheiben zerschossen, das Bett zerstochen, Schränke zertrümmert und Zeitschriften und Bücher verbrannt. Nerudas Katafalk steht inmitten von Glasscherben, zerrissenen Fotos und zersplitterten Tonkrügen ...
26. September:
Ein großer Teil der in Chile befindlichen DDR-Bürger,
darunter meine Mutter und ich (mein Vater kam erst Anfang 1974 zurück), verläßt das Land mit einem der ersten Flugzeuge, die auf dem Flughafen von Santiago de Chile nach dem Putsch wieder starten dürfen.
Die Regierungen der USA und Israels erkennen die Putschisten offiziell an.
In Chile werden alle bei freien Kommunalwahlen gewählten Bürgermeister und Gemeinderäte abgesetzt.
26.Januar 1974:
Alle unter der vorherigen Regierung herausgegebenen Banknoten verlieren ihre Gültigkeit. Die Umtauschaktion wird mit der Tatsache begründet, daß sich schädliche politische Propaganda darauf befindet. Wer jetzt noch solches Geld besitzt, wird mit Gefängnis bedroht.

Chile 1973: Eine Illusion begraben (Mike Gonzales)
Am 11. September 1973 um 8 Uhr 45, wurde der Präsidentenpalast Santiagos, der Hauptstadt Chiles, von Flugzeugen der Luftwaffe bombardiert. Der Präsident, Salvador Allende, sendete seine letzte Botschaft aus einem Raum der Residenz. Er starb kurze Zeit später in den Trümmern des Gebäudes.
Militärputsche waren in Lateinamerika nichts Unbekanntes und beschworen im Ausland nur wenige Proteste herauf. Der Putsch in Chile jedoch spornte Demonstrationen überall in der Welt an und war überall ein zentrales Thema der politischen Debatte.
Chile wurde von Vielen der Linken international als Leuchtfeuer der Hoffnung für revolutionäre Veränderung in den 70er Jahren gesehen. Die Präsidentenwahlen von 1970 spiegelten den Umschwung wieder, der in der Luft lag. Die landbesitzende Klasse und der Finanz- und Industriesektor fühlten sich immer stärker bedroht.
Überall in Lateinamerika wurden Reformen und Modernisierung versprochen, um jeder Wiederholung der kubanischen Revolution von 1959 vorzubeugen. In Chile leisteten, wie überall woanders auch, die mächtigen landbesitzenden Klassen an jeder Front Widerstand gegen die Landreformen. Des Wartens müde begannen Bauern und landlose Arbeiter einfach damit, ungenutztes Land zu besetzen. Das wirtschaftliche Wachstum in den 60er Jahren trieb viele Menschen in die Stadt, um Arbeit zu suchen. Es gab keine Unterkünfte für sie und sie begannen damit, leere Stellen für behelfsmäßige Wohnungen in Beschlag zu nehmen. Der Marsch von Studenten des ganzen Landes auf die Hauptstadt war 1969 Teil der sich verändernden Athmosphäre.
Im Herzen der sich ausdehnenden Krise wuchs das Niveau der Aktivitäten der Arbeiterklasse heran ? als eine Antwort auf die ökonomische Krise und die Enttäuschung über die christ?demokratische Regierung. Die Anzahl der Streiks stieg zwischen 1969 und 70 scharf an. Chile hatte eine lange Gewerkschaftstradition und eine Geschichte sozialistischer Organisationen.
Vor diesem Hintergrund leitete der siegreiche Präsidentschaftskandidat, Salvador Allende, eine Koalition, die die Kommunisten und andere kleine Parteien einschloß, die Volkseinheit (Unidad Popular) genannt wurde.
"Ein kleines Erdbeben" war Allendes Sieg für Robert Moss, einen späteren Ghostwriter von Thatcher. Tatsächlich hatte er aber nur 36 Prozent der Stimmen in einer Parlamentswahl gewonnen. Aber Allende hatte sich selbst zum Marxisten erklärt und bezeichnete sich als Sprecher des 'chilenischen Wegs zum Sozialismus'.
Dies war Allendes vierter Versuch, die Präsidentschaftswahlen zu gewinnen. Vor allem war er jemand, der an das Prinzip glaubte, daß der Staat über der Gesellschaft stehe und daß seine Institutionen ? die Richter, die Armee, die Gerichte, das Parlament ? nicht unter Kontrolle der herrschenden Klasse stünden. Er glaubte fest daran, daß die anderen Parteien und Seiten die Wahlurne respektieren würden. Sein Verständnis von Sozialismus war die Reform der Gesellschaft von oben, durch die Institutionen des kapitalistischen Staates und mit der Zustimmung aller Klassen.
So sagte er 1971:
"Chile sieht sich selbst der Notwendigkeit gegenüber, einen neuen Weg zum Aufbau einer sozialistischen Gesellschaft zu initiieren - unseren eigenen revolutionären Weg, einen pluralistischen Weg... Chile ist heute die erste Nation auf Erden, die dazu berufen ist, dieses zweite Modell der Umwandlung zu einer sozialisten Gesellschaft zu schaffen... Skeptiker und Katastrophenbeschwörer werden sagen, daß ein Parlament, das der herrschenden Klasse so gut gedient hat, nicht imstande ist, sich selbst in ein Parlament des chilenischen Volkes zu verwandeln. Es wurde gesagt, daß die Streitkräfte und die nationale Polizei ... nicht den Volkswillen in seiner Entscheidung unterstützen werden, den Sozialismus in unserem Land aufzubauen. Diese Menschen übersehen das patriotische Bewußtsein der Streitkräfte und der nationalen Polizei, ihre Berufstradition und ihren Gehorsam gegenüber der zivilen Herrschaft."
Dieses Konzept der Reform erklärt die Bedeutung von Chile. Kommunistische und sozialistische Parteien traten überall für breite Wahlfronten und einen parlamentarischen Weg zum Sozialismus ein und behaupteten, die soziale Umwandlung könne ohne Konflikt zustande gebracht werden. Für sie war Chile der Beweis, daß ein Marxist über die Wahlurne an die Macht kommen könne.
'Macht' bedeutete für Allende und seine UP?Verbündeten Schlüsselpositionen in einer Staatsmaschinerie einzunehmen, die sie als neutral definierten.
Für die Arbeiterklasse vertrat die UP?Regierung die Hoffnung auf eine wirkliche Veränderung. Allendes erste Amtshandlung war es, die Kupferindustrie zu verstaatlichen, die die Masse der chilenischen Exporteinnahmen ausmachte. Allendes ökonomisches Programm basierte auf einer landesweiten Lohnerhöhung, die den Konsum anregen und so die ganze Wirtschaft in Bewegung bringen sollte. Eine Anzahl von Firmen, einschließlich Fabriken und Banken in ausländischem Besitz, wurde verstaatlicht, wenn auch bei weitem nicht in dem Ausmaß, das ursprünglich angekündigt worden war. Allende versprach, das lahmgelegte Landreform?Programm durchzuführen, während er den Landbesitzern großzügige Entschädigungen zubilligte und darauf bestand, daß alles über die Gerichte laufen sollte. Als die Landbesetzungen stattfanden, verurteilte Allende sie.
Aber von unten kamen immer mehr Initiativen, die auf eine ganz andere Interpretation der 'Volksmacht' schließen ließen. Als die Grundbesitzer versuchten, Arbeiter zu zwingen, das Land zu verlassen, stießen sie auf den Widerstand der Massen. Als die Läden die Preise heraufsetzten oder mit gehorteten Waren künstliche Engpässe schufen, öffneten örtliche Verteilungskommitees die Geschäfte wieder und teilten die Mittel den Bedürfnissen entsprechend zu. Als einige Fabrikbesitzer versuchten, die Produktion zu verlangsamen oder Maschinerie insgeheim fortzuschaffen, wurden sie von Arbeiterorganisationen aufgehalten. Und 1971 erreichte die Anzahl der Streiks ihren bisherigen Höhepunkt, als Arbeiter die Initiative über Löhne und Arbeitsbedingungen und in einigen Fabriken sogar die Kontrolle der Produktion in die eigene Hand nahmen.
Mitte 1971 zeigten die Lokalwahlen eine wachsende Unterstützung für das Projekt der "Volksmacht"; Allende aber rief die Arbeiter auf, angesichts der Attacken der herrschenden Klasse Zurückhaltung zu üben. Im November 1971 gingen Frauen der Ober? und Mittelklasse (und ihre Dienstmädchen) auf die Straße. Sie schwenkten leere Kochtöpfe, um die Lebensmittel?Engpässe anzuprangern. Tatsächlich aber hatten die leeren Regale, über die sie sich beschwerten, ihre Ursache in ihrem eigenen Horten von Lebensmitteln. Der Protest zeigte, daß die herrschende Klasse ihr Selbstvertrauen unter Allende zurückgewann, und seine Strategie war es, alles zu tun, um einer schwankenden, ängstlichen Mittelklasse zu beteuern, daß ihre Interessen gesichert seien.
Im Januar 1972 wurde der Innenminister Jose Toha von einem von Christdemokraten beherrschten Kongress seines Amtes enthoben. Im selben Monat attackierte die Sozialistische Partei öffentlich die Linke. Im Mai wurden in Concepción auf Anweisung des kommunistischen Bürgermeisters Schüsse auf eine Demonstration abgefeuert. Im Juni wurde der Wirtschaftsminister, der mit der Ausweitung der Verstaatlichung identifiziert wurde, rausgeworfen. Die Strategie der Volkseinheit, der bei zwei Kongressen in diesem Jahr zugestimmt wurde, unterstützte eher die 'Konsolidierung' (Festigung) als das Fortschreiten ? und die Angriffe gegen die Linke, insbesondere gegen die "Bewegung der revolutionären Linken" (MIR) nahmen stark zu.
Es lag nun an der Arbeiterklasse, das Versprechen auf Veränderung zu erfüllen, von dem sie dachte, die UP stünde dafür; die Grenzen des 'chilenischen Wegs zum Sozialismus' wurden, wie bei allen anderen Wahlstrategien auch, von der herrschenden Klasse als Preis für ihre Mitarbeit gezogen. Das war ein Preis, den Allende bereitwillig zahlte, obwohl öffentlich bekannt war, daß die Rechte den Sturz der Regierung vorbereitete. Trotzdem sah Allende in der Massenmobilisierung von unten eine Bedrohung für die Regierung - und nicht ihre einzige Stütze.
In Concepción brachte eine Volksversammlung im Juli Delegierte von linken Parteien und Massenorganisationen zusammen, um eine Strategie zu diskutieren. Was wichtiger war, ist, daß die Schaffung des ersten Cordón zeigte, was Arbeiterdemokratie wirklich bedeutete. Der Cordón brachte Fabrikarbeiter, Landarbeiter, lokale Organisationen der Bewohner der Barackensiedlungen und Verteilungskommitees zusammen, um die direkte Kontrolle über lokale Angelegenheiten, über Verteilung und in einigen Fällen über die Produktion selbst auszuüben. Wie die Sowjets, die 1917 die Grundlage der Arbeitermacht in Rußland waren, wurden die Cordónes von unten aufgebaut - ungeachtet der Feindseligkeit der Regierung. Im August griff die Polizei mit Billigung der Regierung eine Barackensiedlung in Santiago an; ihre Angst, die Unterstützung der Mittelklassen zu verlieren, wurde wieder und wieder in der Serie von darauf folgenden Konfrontationen deutlich. Der Kampf erreichte deutlich eine neue Phase.
Der Oktober war der Beweis. In diesem Monat traten die Eigentümer des öffentlichen Transports und der LKWs, von denen Chile zum Gütertransfer abhängig war, in Streik. Ihre Führer kamen von einer vom Faschismus beeinflußten Organisation, die in den unteren Mittelklassen verwurzelt war. Aber das Gros des chilenischen Transportwesens (83%) war im Besitz von Geschäftsleuten mit anderen Interessen. Das war die Kriegserklärung der herrschenden Klasse, und die Arbeiterklasse antwortete sofort. Die LKWs wurden wieder zurück auf die Straße geschafft; Geschäfte, die geschlossen worden waren, wurden gewaltsam wieder geöffnet und die Waren demokratisch verteilt; Fabrikbesitzer, die versuchten, die Produktion zu stoppen, wurden aus dem Werk geworfen und die Arbeit ging weiter; Zeitungen und Radiosender, die von ihren Besitzern geschlossen worden waren, wurden unter der Kontrolle der Arbeiter wieder eröffnet. Es war ein Kampf, der von der Arbeiterklasse gewonnen wurde, da die Arbeiter unabhängig handelten.
Auf der einen Seite mit der mobilisierten Kraft der herrschenden Klasse und auf der anderen mit der Antwort der Arbeiterklasse konfrontiert, war die Regierung gelähmt. Nun war es Allendes Hauptsorge, die Kontrolle zurückzugewinnen. Und es war der bürgerliche Staat, den er - gegen die Arbeiterklasse - zu seiner Unterstützung mobilisierte. Er wandte sich an die Armee3, um wieder Ordnung zu schaffen, indem er sich Generäle ins Kabinett holte.
Zwischen Oktober 1972 und Juli 1973 gab es in Chile zwei Mächte. Die Regierung der Volkseinheit, die von der kommunistischen und sozialistischen Partei beherrscht wurde, wurde ihren Verbündeten in der herrschenden Klasse immer höriger, insbesondere dem Militär. Neue Organisationen, die durch den Kampf selbst geradezu aus dem Boden schossen, suchten nach einer neuen Strategie, die von einer klaren, sozialistischen Linie geleitet werden sollte. Hier lag die Verantwortung der Revolutionäre ? aber das bedeutete einen entschiedenen Bruch mit den Reformisten und ihrem Weg über Wahlen.
In diesem Schlüsselmoment war die politische Aufgabe klar. Die Rechte hatte Blut geleckt, und die Regierung ersetzte ihren Wankelmut immer mehr durch Angriffe auf die Massenbewegung. Im Verlauf des Oktobers war eine Anzahl von Fabriken besetzt worden, um die Bemühungen ihrer Eigentümer, die Produktion stillzulegen, aufzuhalten. Die Regierung forderte die Arbeiter auf, sie zurückzugeben. Es gab erheblichen Widerstand. Von den Parteien der Volkseinheit erhob nur die christliche Linke Einspruch gegen die Anwesenheit des Militärs im Kabinett, und im Februar 1973 schlug der kommunistische Wirtschaftsminister die Reduzierung der verstaatlichten Sektoren der Wirtschaft und die Rückgabe aller besetzten Werke vor.
Trotzdem zögerten die Parteien der Linken, debatierten und zankten sich untereinander. Es wurde ein koordinierendes Kommitee für die Cordónes gebildet, welches hauptsächlich von Mitgliedern der Basis der sozialistischen Partei geleitet wurde; es war zumindest der Keim für eine nationale Herrschaft. Aber die anderen Organisationen der Linken, so z.B. die MIR, bauten in sektiererischer Konkurrenz parallele Organisationen auf. Die Führer des Koordinatotionskomitees der Cordónes blieben in der Sozialistischen Partei und erklärten, sie seien dabei, sie von unten zu verändern. Und tatsächlich unterstützte die MIR bei den Wahlen im März sozialistische Kandidaten, die noch in der UP waen. Die UP vergrößerte ihren Stimmanteil unter den Arbeitern - und benutzte das neue Vertrauen in sie, um im April den nächsten Angriff auf die Linke zu unternehmen.
Überall traten neue Formen der Organisation und der Herrschaft in Erscheinung. Eine spontane Volksversammlung trat tagelang in Villa Constitución zusammen; viele neue Cordónes wurden gegründet. All das geschah im Zusammenhang mit einer sich vertiefenden Wirtschaftskrise, die noch durch Embargos gegen chilenische Exporte verschärft wurde, das Ausbleiben ausländischer Investitionen (mit Ausnahme des mysteriösen kontinuierlichen Zustroms an Militärhilfe!) und die Flucht des einheimischen Kapitals. Patricio Aylwin, der neue Führer der Christdemokraten (und der heutige Präsident Chiles), trat öffentlich für eine 'Politik der verbrannten Erde' ein, für die Unterminierung der Regierung mit wirtschaftlichen und politischen Mitteln. Die Schlägerkommandos der Rechten waren auf der Straße aktiv. Am 29. Juni wurde ein Putschversuch schnell niedergeschlagen - aber er war ganz klar eine Probe für weitere militärische Aktionen.
Die Regierung jedoch sah die Arbeiter immer noch als Hauptbedrohung für ihre Existenz. Die Kupfer?Bergleute in El Teniente, die stärksten und kämpferischsten Gewerkschafter im Land, wurden von Allende angegriffen, der von ihnen verlangte, einen geringeren Tariflohn zu akzeptieren, als in ihren Verträgen festgesetzt war. Sie lehnten das ab und traten in Streik - woraufhin sie von allen Organisationen der Linken als reaktionär verurteilt wurden. Die Rechte nutzte die Gelegenheit, erklärte sich mit den Streikenden solidarisch und nahm sie für sich in Anspruch. In Wahrheit hatten diese Arbeiter nur ihren Lebensstandard und ihre Rechte gegen eine Regierung verteidigt, die sie nicht mehr länger vertrat. Unter solchen Umständen hätten sie die aufrichtige Unterstützung der Linken verdient. Anstatt dessen wurden sie mit militärischen Straßensperren konfrontiert, als sie nach Santiago marschierten, und die Linke war still.
Das Finale war arrangiert. Im Juli riefen die LKW-Besitzer, die Unternehmer und Andere einen "unbegrenzten Streik, um die Regierung zu stürzen" aus. Wieder antworteten die Arbeiter - und wieder prangerten ihre Führer sie für die Schaffung 'paralleler' Organisationen an. Die MIR rief im Juli zum bewaffneten Aufstand auf, warnte dann aber ein oder zwei Wochen später davor, unabhängig von den 'traditionellen' Organisationen zu handeln. Als der August begann, war das Militär wieder in Allendes Kabinett, und Sozialisten und Gewerkschafter wurden überall im Land verhaftet und gefoltert. Als die Sozialisten in der Marine und in den Luftstreitkräften öffentlich davor warnten, daß Vorbereitungen für einen Putsch im Gange sind, bedankte sich Allende bei ihnen für ihren Patriotismus und übergab sie den Militärgerichten.
Einige in der Linken wandten sich an die Masse der einfachen Soldaten in der Armee, aber die Armee kann man nur spalten, wenn eine starke und unabhängige Arbeiterorganisation existiert, die darauf vorbereitet ist, die Macht zu übernehmen und den Staat zu zerschlagen. Eine solche war aber nicht aufgebaut worden.
Als das Militär dann am 11. September zuschlug war niemand überrascht. Ein oder zwei Tage vorher hatte die Kommunistische Partei ein Plakat veröffentlicht, in dem es hieß "Nein zur Gewalt von links und rechts". Als die Armee die Macht übernahm, wurde den Kämpfern gesagt, sie sollen nach Hause gehen und "weitere Instruktionen abwarten" - es kamen aber keine weiteren Instruktionen. Aber einem Beobachtet war bereits bei einer eine Woche zurückliegenden Demonstration aufgefallen, wie sehr sie durch eine Athmosphäre der Niederlage geprägt war. Der Kampf war schon verloren.
Revolutionäre Momente warten nicht auf die Entscheidungen von Revolutionären; das Gleichgewicht wird zu der Klasse hin kippen, die am entschlossensten ist, die Macht zu übernehmen. In Chile handelte die herrschende Klasse mit Selbstvertrauen, um ihre Interessen zu verteidigen. Sie wußte zwar, daß die chilenischen Arbeiter kämpfen würden, aber sie wußte auch, daß die politische Führung der Arbeiterklasse entwaffnet war.
Es gibt nichts besonders Brutales an der herrschenden Klasse Chiles, dennoch wurde ihre Reaktion nach dem September zum Inbegriff für Blutbäder. Nach einer konservativen Schätzung zufolge wurden 30.000 ermordet und weitere Zehntausende gefoltert, eingekerkert, verbannt und verhungert. Warum? Es war bezeichnend, daß die Unterdrückung vor allem die Aktivisten an der Basis, die Führer in den Elendsvierteln und die militanten Arbeiter betraf. Sie waren die wirkliche Bedrohung, viel eher als die Bürokraten und die politischen Führer, die am Ende bewiesen, daß sie lieber einen Kompromiß eingehen, als ihre Versprechen denjenigen gegenüber zu erfüllen, die sie an die Macht gebracht hatten. Die herrschende Klasse Chiles hat reagiert, wie jede andere herrschende Klasse, die den Spuk der Arbeitermacht kurz erblickt hat, indem sie versuchte, die ganze Erfahrung auszurotten und jeden zu ermorden, der den aufstrebenden Kampf der chilenischen Arbeiterklasse geführt hatte.
Was in Chile vor 20 Jahren passiert ist, war der Schlußakt eines brutalen Klassenkampfes, der mit der massiven Niederlage der Arbeiterklasse geendet hat. Die Antwort der Linken war weltweit die, daß Allende die Errichtung des parlamentarischen Sozialismus viel zu schnell betrieben habe. In Wahrheit führten sein Hin? und Herschwanken und seine Attacken auf die Arbeiter zur Niederlage.
Es dauerte 17 Jahre bis der Führer des Putsches, General Augusto Pinochet, sein Amt niederlegte - aber er bleibt eine starke Macht in der chilenischen Politik. Die "Rückkehr zur Demokratie" begann 1990 mit seiner Abdankung. Seitdem sind viele, die in den dazwischen liegenden Jahren vor dem Militärregime geflohen waren, zurückgekehrt. Was sie vorfanden, ließ nicht annehmen, daß ihr langes Exil in einem Sieg geendet hatte. Die Folter und die Unterdrückung, die das Pinochet-Regime kennzeichnete, blieb praktisch unbestraft. Viele, die in diesen Schreckensjahren mit dem Regime kollaborierten oder unter einer Decke steckten, bekleiden nun Regierungsämter.
Die Arbeiterklasse hatte den Preis für diese neue 'Versöhnung' zu bezahlen - 35% leben in Armut, die Arbeitslosigkeit ist hoch, und diejenigen, die in den Pinochet-Jahren reich wurden, werden geschützt.
Heute sind einige derselben Leute, die in der Volkseinheit waren, wieder in der Regierung, jetzt als Verbündete der Parteien und Individuen, die diesen blutigen Putsch gegen die Arbeiter Chiles geplant und ausgeführt hatten. Was machen die Linken? Sie verstreuen die gleichen Illusionen und schieben ihre Entscheidung immer noch hinaus. Es gibt nichts, was sie entschuldigen könnte. Sie haben gesehen, was einem Machtkampf widerfährt, der nicht auf die unabhängige Organisation der Arbeiterklasse baut und der keine Strategie für die Unterwerfung des Staates hat.
Die Lehren von Chile gehören zu unserer Bewegung - und sie erheben sich aus der Asche der Illusion, die unter den Trümmern von Allendes Präsidentenpalast begraben liegt. Gonzales, M.: Burning an Illusion in "Socialist Review" No.167, London, Sept.1993


Das Lied "El pueblo unido jamás será vencido" ("Das vereinte Volk wird niemals besiegt werden") war neben "Venceremos!" die zweite Hymne der chilenischen Volksfrontbewegung "Unidad Popular", in der sich die werktätige Bevölkerung organisierte, um für eine sozialistische Gesellschaft sowie gegen die Macht der Agrarmonopole, der ausländischen Konzerne und gegen den drohenden Faschismus zu kämpfen. Die führenden Persönlichkeiten der Unidad Popular waren Luis Corvalán (geb. 1916; oben links), Generalsekretär der Kommunistischen Partei, sowie vor allem der Sozialist Salvador Allende (1908-1973; oben rechts). 1970 gewann Allende als Kandidat der Unidad Popular die Präsidentschaftswahlen und bildete eine Volksfrontregierung. Ihr Ziel war die Schaffung einer antimonopolistischen Demokratie, von der aus der Weg zum Sozialismus beschritten werden sollte. Dafür wurden zunächst konkrete antiimperialistische und antimonopolistische Maßnahmen initiiert: die Kupferminen, der Kohleabbau, die Textil- und Bausstoffindustrie sowie das Bankwesen wurden nationalisiert bzw. verstaatlicht, eine umfassende Landreform sollte zu einer Umverteilung des Bodens auf Kosten der GroßgrundbesitzerInnen führen. Nun musste vor allem der US-Imperialismus handeln, sahen sich doch u.a. ITT, Pepsi und die Chase Manhattan Bank um ihre Profite und ihr Recht auf Ausbeutung der ChilenInnen betrogen. Die US-Konzerne und die CIA entwarfen Pläne, die chilenische Regierung, die durch ihre erfolgreichen Sozialmaßnahmen stetig an Zustimmung in der Bevölkerung gewann, zu stürzen. Schließlich war es der 11. September 1973, als General Augusto Pinochet mit Unterstützung der USA einen blutigen Militärputsch durchführte, bei dem Allende ums Leben kam. Corvalán wurde auf die Gefängnisinsel Dawson verschleppt, aber schließlich nicht zuletzt aufgrund der internationalen Solidaritätsbewegung freigelassen. Die folgenden 17 Jahre des Terrors der faschistischen Diktatur unter Pinochet bedeuteten für zigtausende ChilenInnen Tod, Folter oder Emigration.  Text und Musik des Liedes "El pueblo unido" stammen ebenso wie die Musik von "Venceremos!" von dem chilenischen Komponisten Sergio Ortega (1938-2003), der selbst Mitglied der KP Chiles war. Ortega komponierte dieses Lied während des Präsidentschaftswahlkampfes Allendes 1970, als er vor allem mit den Musikern der Gruppe "Quilapayún" zusammenarbeitete, die auch zu den bekanntesten Interpreten dieser Nummer gehören. Aber Ortega war nicht nur in der Volksfrontbewegung politisch engagiert (wofür er auch nach dem Putsch 1973 ins Exil nach Frankreich musste), sondern auch ein Komponist mit einem überaus breit gefächerten Repertoire: so schrieb er u.a. auch Kammer- und Orchestermusik sowie eine Oper, deren Handlung auf einem Text von Pablo Neruda über den chilenischen Freiheitskämpfer Joaquin Murieta basierte. Die hier gespielte MP3-Datei ist die Version des Liedes der chilenischen Gruppe "Inti Illimani", die unter diesem Namen 1967 gegründet wurde und bereits im Wahlkampf 1970 Allende unterstützte. Die Zeit nach dem blutigen Putsch Pinochets 1973-1988 verbrachten die Bandmitglieder im Exil, ihre Auftritte und ihr Eintreten für Gerechtigkeit und Freiheit und gegen die faschistische Diktatur in Chile machten sie weltweit bekannt und populär. "Inti Illimani" existiert bis heute, seit 1969 hat die Band über 30 Alben aufgenommen, neben "Quilapayún" ist sie zweifellos die wichtigste chilenische Musikgruppe mit politischem Anspruch. Die Bezeichnung der Band leitet sich folgendermaßen her: das Wort "Inti" bedeutet Sonne und ist  indianischer Herkunft, "Illimani" ist der Name des zweithöchsten Berges Boliviens in der Nähe von La Paz.