1970
- 1973 in Lateinamerika - Santiago de Chile




In
Chile war ich ein privilegierter Pionier aus der DDR!

Da
haben wir gewohnt und gelebt.

Ich
muß bis heute gestehen: Ich mag diese Musik! Auch wenn sie zur damaligen
Zeit völlig ideologisch überlastet war!
Die
Ureinwohner (Indianer, vor allem die Mapuchos) haben sehr viel von ihrer Volkskunst
für den Tourismus weiterentwickelt. Lederartikel in allen Variationen mit
den typischen chilenischen Motiven, die eingebrannt wurden. Dieses holzgeschnitzte
Riesen-Besteck hängt wohl in jedem Haushalt, deren Angehörige Chile
einmal besucht haben. Nun eben auch in meinem Küchen-Museum!
Wie
gesagt: Geschichtsunterricht gibt es hier nicht wirklich. Nur paar Übersichtlichkeiten
und Erinnerungen.
http://de.wikipedia.org/wiki/Chile = Das ist die offizielle Seite, auf der man ganz viel
Geschichte finden kann.
http://www.ciudad.cl/
= Das ist die offizielle Seite von Santiago de Chile.
1974 - 4.
März: Uraufführung
der Chile - Dokumentation „Der Krieg der Mumien”, (Chile vor und nach dem Putsch
1973) Regie: Walter Heynowski, Gerhard Scheumann, im Berliner Filmtheater „Kosmos”.
1977 - 28.
Juni: Uraufführung
des DEFA - Dokumentarfilms „Venceremos con la solidaridad - Wir werden siegen
durch die Solidarität”, Regie: Joachim Hadaschik,(Luis Corvalan, Generalsekretär
der KP Chiles zu Besuch in der DDR) im Berliner Filmtheater „Colosseum”.
1978 - 17.
April: Uraufführung
der DEFA - Dokumentarfilms „Die Toten schweigen nicht” (8. Chile - Film), Regie:
Walter Heynowski, Gerhard Scheumann.
1983 - 25.
Juni: Veranstaltung
„Filme aus Chile - Filme über Chile” in der Akademie der Künste Berlin.
Filme aus Chile „Der Schakal von Nahueltoro”, Regie: Miguel Littin (1969, Spielfilm),
„Liebe Genossen”, Regie: Pablo de la Barra” (Spielfilm) und Dokumentarfilme.
Filme über Chile von W. Heynowski, G. Scheumann, P. Hellmich: „Mitbürger”,
„Der Krieg der Mumien”, „Geldsorgen” u. a.

Man spricht
vom "längsten Handtuch der Welt" und einem "gelungenen geographischen
Witz". Kein Wunder. Eine Länge von 4.275 km und eine durchschnittliche
Breite von 188 km formt wirklich eine "loca geografía", die
für Chile so bezeichnende "verrückte Geographie". Die breiteste
Stelle beträgt bei Antofagasta 355 km, die schmalste rund 90 km auf der
Höhe von Illapel. Mittendrin eine unvergleichliche Fülle landschaftlicher
Faszination: Wüstenhügel und Andengipfel, heiße Quellen und
Geysire, Fjorde und Gletscher.
Chile,
amtlich República
de Chile,
Republik im Südwesten Südamerikas, die im Norden an Peru, im Osten
an Bolivien und Argentinien und im Süden und Westen an den Pazifischen
Ozean grenzt.
Das Land hat eine äußerste Nord-Süd-Erstreckung
von 4 270 Kilometern, die durchschnittliche Breite dagegen beträgt
nur 180 Kilometer.
Der Süden Chiles umfasst zahlreiche Inseln und reicht bis nach Patagonien,
von der Insel Chiloé bis zum Kap Hoorn, dem südlichsten Punkt des
südamerikanischen Kontinents. Zu den bekannteren Inseln gehören der
Chonos-Archipel, die Wellington-Insel und der westliche Teil von Feuerland.
Der Küste Chiles vorgelagert liegen die Inseln San Felix und San Ambrosio,
die
Isla Sala y Gómez im südlichen Pazifik, die Juan-Fernández-Inseln (mit der
Robinson-Crusoe-Insel)

sowie die Osterinsel, die erst seit 1888 zur fernen
Andenrepublik gehört (Rapa Nui). Hier erheben sich die weltberühmten
Steinstelen polynesischer Bildhauer, die als Zeugen einer versunkenen Kultur
seit Jahrhunderten von Mysterien umweht werden. Es ist Chiles aufregendstes
Freilichtmuseum, geprägt von den zeremoniellen Freiluft-Tempelanlagen (ahu),
auf denen die Insulaner einst ihre steinernen Kolossalfiguren (moai) verehrten.
Es waren Symbole der vergöttlichten Ahnen, Mittler zwischen Lebenden und
Göttern. Chile beansprucht außerdem einen Teil der Antarktis.
Zu den bedeutenden Städten in Chile zählen neben Santiago auch Concepción,
Zentrum der Landwirtschaft und Industrie (350 000 Einwohner), Valparaíso,
(Der Hauptimporthafen Chiles ist zugleich der größte Hafen an der
Westküste Südamerikas) (280 000), und Viña del Mar, ein
beliebter Urlaubsort (320 000).

Mit der Hauptstadt Santiago de Chile erwartet uns ein Fünf-Millionen-Moloch
in einem gewaltigen andinen Becken. Herzstück der 1541 von Pedro de Valdivia
ins Leben gerufenen Metropole ist die Plaza de Armas mit der neoklassizistischen
Kathedrale und einem Reiterdenkmal des Stadtgründers.

Rundherum breiten sich geschäftige breite Fußgängergassen aus,
die ebensogut in Südeuropa liegen könnten. Einen Abstecher lohnt der
quirlige Zentralmarkt mit seinen Fischrestaurants. Aus kolonialen Zeiten hat
sich wenig originalgetreu erhalten; als das am besten erhaltene Kolonialgebäude
gilt die Casa Colorada vom Ende des 18. Jahrhunderts, heute Sitz des Stadtgeschichtlichen
Museums. Nicht versäumen sollte man den Besuch des im einstigen Königlichen
Zollpalast untergebrachten Museums für Präkolumbinische Kunst mit
Gold- und Silberschmuck sowie Keramik- und Webarbeiten verschiedener andiner
Kulturen. Von den tragischen Ereignissen der jüngeren Geschichte ist der
Moneda-Palast umweht, in dem Präsident Salvador Allende beim Staatsstreich
1973 den Tod fand.
Gute Ausblicke über Santiago bieten sich vom citynahen
Hausberg Santa Lucía, doch für das bessere Panorama bürgt der
880 Meter Cerro San Cristóbal. Hier thront man rund 300 Meter über
dem Häusermeer und schaut hinüber auf die Kordilleren. Eine Riesenstatue
von Maria (als Gegenstück zum Jesus von Rio) dient dort oben als kleiner
Tempel.

Obwohl
diese Jungfrau Maria als Gegenstück zum Jesus in Rio ein Wahrzeichen für
Santiago ist, habe ich tatsächlich kein Foto davon gefunden. Oben auf dem
Stadtplan sieht man den Standort, hier auf dem rechten Foto sieht man den Sockel
der Maria, wo ein altarähnlicher Raum eingebaut wurde, an dem alle Gläubigen
Kerzen entzündeten. Ich hatte (aus welchem Grund auch immer) jahrelang
Albträume wegen dieser riesigen Maria und traute mich lange nicht darüber
zu sprechen. Diese Statue machte mir einfach Angst - diese Gruft darunter -
diese mächtige Figur - ich kann es bis heute nicht erklären - es gibt
keinen wirklichen Grund für diese Albträume - aber ich hatte sie.....
Man kann den Berg mit einer
Zahnradbahn und einer Seilbahn erklimmen. Auf dem Berg befinden sich unter anderem
auch der Zoo von Santiago.


An dieses Schwimmbad kann ich mich sehr gut erinnern - es erinnerte
mich an einen Pool in Dar es Salam mit Blick auf den Kilimandscharo, aber im
Gegensatz dazu war das Wasser so arschkalt, dass wir uns fast ausschließlich
außerhalb des Wassers vergnügten dort im Bad auf dem Cristobal!
Die Lage Santiagos erlaubt es, im Umkreis von 100 km auf Skipisten wie denen
von Portillo zu wedeln,

(Dies
war aber für Einheimische unerreichbar - ich sprach Jahre später mit
Exilchilenen, die mich dann anschauten, als würde ich alle 14 Tager in
St. Moritz Skifahren - wir waren als ausländische Diplomaten privilegiert!)
Man kann sich in den heißen Bergquellen der Baños Morales und der
Baños Colina baden und sich an den Sandstränden des Ozeans ausstrecken.
Während des Südsommers zieht es viele Urlauber an die Küste nach
Viña del Mar, das sich mit den Beinamen "Perle des Pazifiks"
und "Gartenstadt" schmückt. Viña del Mar bietet ein überwältigendes
Hotel- und Restaurantangebot und steht in Chile als Synonym für Baden,
Bräunen, Ausgehen, Flanieren und Shopping, kurzum: Vergnügen aller
Art. Rasch erreicht sind weitere sommerliche Ferienzentren wie Reñaca
und Concón. Viña
del Mar = Der beliebteste Badeort Chiles - wegen seiner gepflegten, subtropischen
Grünanlagen auch Ciudad Jardín ("Gartenstadt") genannt
- liegt nur 10 km nördlich von Valparaíso. Pferdekutschen befördern
Besucher an den herrlichen, um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert erbauten
Villen vorbei, die das Fluss- und Meeresufer säumen. Weitere Attraktionen
sind die weißen Sandstrände, die zahlreichen Parks sowie sehenswerte,
in restaurierten Herrenhäusern untergebrachte Museen. Darüber hinaus
besitzt Viña del Mar den wichtigsten botanischen Garten Chiles, ein 61
ha großes Gelände mit einheimischen und exotischen Gewächsen.

Valparaíso
= Das 120 km nordwestlich von Santiago gelegene "Valpo" besitzt den
wichtigsten Hafen des Landes und ist die zweitgrößte Stadt Chiles.
Ungeachtet ihrer gewaltigen Ausmaße zählt sie zu den schönsten
Metropolen Südamerikas und gilt zu Recht als die sehenswerteste des Landes.
Während das eigentliche Zentrum mit seiner bezaubernden Altstadt einen
schmalen Landstreifen zwischen Meer und Hügeln einnimmt, verteilen sich
die Vororte auf die umliegenden Hänge - Aufzüge, Seilbahnen und steile
Treppen verbinden sie mit der Unterstadt. Valparaíso ist ein wahres Labyrinth,
in dem man sich wahrscheinlich nur dann mühelos zurechtfindet, wenn man
hier aufgewachsen ist. Die Stadt eignet sich wunderbar zum ziellosen Herumschlendern,
aber auch die berühmten Museen lohnen einen Besuch. Muelle Prat, die schön
renovierte Hafenpromenade, ist ein lebhaftes Marktgelände.

Ja,
wir haben als die privilegierten Ausländer auch Ausflüge nach Viña
del Mar und Valparaíso gemacht. Ich als Kind habe es sehr genossen!
Heute weiß ich, wie sehr wir zur unbeliebten HighSociety
gehörten!
Die durchschnittlichen Januartemperaturen
liegen in Santiago bei 19,5 °C, die Julitemperaturen bei 8 °C
(Santiago).
(Schnee
gibt es nur in den Anden. Auch hier wieder mein gestörtes Verhältnis
zum weißen Regen.)
Spanisch
wird gesprochen, sonstige Sprachen: Mapuche, Aymara, örtlich (z.B. Puerto
Montt) Deutsch
Die Währungseinheit Chiles ist der Chilenische Peso (1 Peso = 100 Centavos).
Der Peso wurde 1975 eingeführt und ersetzte den Escudo.
Palacio de la Moneda, Sitz des chilenischen
Präsidenten
Die Nationalblume Chiles ist die rote Copihue-Blume
(Lapageria rosea), eine Kletterpflanze.
(Was
habe ich als Kind dort eifrig wieder und wieder diese Blume gemalt und gebastelt.
Das weinrot war jahrelang meine Lieblingsfarbe.)
Chile liegt
in einer Zone geologischer Instabilität, weshalb Erdbeben häufig vorkommen
und die vulkanische Aktivität mit noch aktiven Vulkanen in Nord- und Mittelchile
recht ausgeprägt ist.
Chile 22. Mai 1960 - Das Erdbeben erreichte die Stärke 9,5 auf der Richterskala
und hatte über eine Woche lang erhebliche Nachbeben, die alle insgesamt
eine Fläche von 145.000 Quadratmetern umwälzten. Vulkanausbrüche,
Lawinen und Erdrutsche sowie Tsunamis wurden ausgelöst. 5.000 Menschen
kamen uns Leben. Die Flutwellen, die unvorbereitet für die Bevölkerung
bis vor die Küste Japans brandeten, töteten dort weitere 119 Menschen.
Auch Hawaii, die Philippinen, Neuguinea und Neuseeland waren betroffen. Das
bisher stärkste gemessene Erdbeben der Welt, mit anschließendem Tsunami.
1970 - 31.
Mai - Erdbeben in Nord-Chile und Peru, etwa 66.000 Tote

(Dieses Beben habe ich dort erlebt
in Santiago und bin mit meinem Bett durchs Zimmer gerutscht. In Erinnerung ist
mir das Klirren der Scheiben geblieben - die sind dort nämlich lose in
die Metallrahmen eingebaut, damit bei Erschütterungen ein Spielraum besteht
und das Glas nicht sofort bricht. Und in Erinnerung sind mir aufgerissene Straßen
geblieben und die hilflose Angst der Chilenen, die solche Erdbeben extrem fürchten.)
Vulkan Licancabur
in der Atacamawüste In der Atacamawüste befinden sich mehrere Vulkane
wie etwa der Licancabur, ein mächtiger Schildvulkan. Die überdimensionalen
Statuen auf der Osterinsel sind aus vulkanischem Gestein errichtet worden.
(Ich kann mich erinnern, dass wir sehr viel mit Vulkangestein
rumgemurkst haben als Kinder. Jeder hatte irgendwie so einen Klumpen zu Hause
als Mitbringsel von einem der Ausflüge dort.)
Wie in anderen
Ländern Südamerikas haben Musik und Tanz auch in Chile einen hohen
Stellenwert. Die Cueca wurde offiziell zum Nationaltanz von Chile erklärt
und wird auch insbesondere jedes Jahr wieder bei den Feiern zum Nationalfeiertag
am 18. September getanzt. Die Cueca ist ein Paartanz, bei dem sich die beiden
Tanzpartner aufeinander zu und im Halbkreis umeinander herum bewegen. Die Cueca
wirkt somit wie ein Balztanz. Der Tänzer und die Tänzerin tragen jeweils
ein Taschentuch in ihrer rechten Hand, mit dem sie ihre Bewegungen und den Balzcharakter
des Tanzes unterstreichen. In Chile gibt es mehrere regional unterschiedliche
Variationen der Cueca. Dies entspricht den jeweiligen Ausprägungen der
regionalen musikalischen und Tanz-Folklore und findet auch seine Entsprechung
in jeweils für die Region typischen Kleidungen, die bei der Cueca von den
Tänzern getragen werden. Eine nahe Verwandtschaft weist die Cueca mit der
peruanischen Marinera auf, beide Tanzformen finden ihren Ursprung in der spanischen
Zamacueca.
(Ich weiß, dass ich oft und gern diesen Cueca getanzt
habe - auch nach 1973 noch jahrelang in Deutschland zum Vergnügen von Bekannten
und Verwandten.)
Die
chilenische Küche ist kein Ableger der spanischen Küche, wie viele
vermuten. Vielmehr gibt es eine Vielzahl von Einflüssen – auch aus Deutschland.
So finden wir die deutschen Bezeichnungen „Kuchen“ und „Apfelstrudel“ auch auf
Werbetafeln chilenischer Cafés.
Neben einem reichen Angebot an Meeresfrüchten wird in Chile gerne mit Cochayuyo,
getrockneten Meeresalgen, gekocht. Durch Grillen zubereitetes Fleisch, das so
genannte Asado, ist wie im Nachbarland Argentinien eine nationale Tradition.
Neben Rindfleisch werden dabei vor allem die würzigen Paprikawürste
Longanizas verwendet. Außerdem wird auch gerne Huhn gegessen.
Zu den Nationalgerichten zählen die chilenische Empanada, das sind mit
Hackfleisch, Ei und Oliven gefüllte Teigtaschen, und die Cazuela, eine
kräftige Suppe mit Hühnchen und Maiskolben. Humitas sind ein Maisbrei,
der in Maisblättern gekocht wird und süß oder salzig gegessen
wird.
(Hier kann ich mich nur an die Empanadas erinnern, die
mir dann in den 90'er Jahren in Spanien wiederbegegneten. Aber ob ich sie gut
oder schlecht fand.... keine Ahnung. Die Erinnerung daran ist völlig verblaßt.
Beim Essen fällt mir immer nur unsere Schulköchin Maria ein, die mich
und ich sie abgöttisch liebte.)
Chile verfügt
über die größten bekannten Kupfervorkommen der Welt (etwa 40 Prozent)
und gehört zu den führenden Produzenten dieses Metalls. Das Kupfer
nimmt den größten Stellenwert beim Export ein, der Anteil beträgt
etwa 35 Prozent des jährlichen Exportvolumens. Rohöl und Erdgas
(erstmalig 1945 entdeckt) werden auf Feuerland und in der Magellanstraße
gewonnen. Etwa zehn Millionen Barrel Rohöl und 862 Millionen Kubikmeter
Erdgas werden jährlich gefördert. Das Eisenerz erreicht pro Jahr eine
Produktion von etwa 6,8 Millionen Tonnen, wodurch auch dieser Bodenschatz
eine wichtige Rolle für das Land spielt. Chile verfügt darüber
hinaus über große Vorkommen an Nitraten, Iod, Schwefel und Kohle
sowie Silber, Gold, Mangan und Molybdän. Die ehemals große Bedeutung
der Salpetervorkommen in der Atacama-Region, die aufgrund des Salpetermonopols
(siehe unten: Geschichte; Liberale Regierung und Kriege mit dem Ausland) für
den enormen Reichtum Chiles Ende des 19. Jahrhunderts bis in die zwanziger
Jahre dieses Jahrhunderts sorgten – der stickstoffreiche Salpeter war damals
Hauptbestandteil der Düngemittel –, ging durch die Verbreitung des Mineraldüngers
stark zurück.
(Viele Souvenirs wurden aus Kupfer gemacht und einige
wenige hängen auch an meiner privaten Museumswand in der Küche.)


Diese
Zeit endete leider mit einer meiner bitterlichsten Erfahrungen in meinem Leben!
Wir waren erst Ende September 1973 wieder in der DDR und die Bilder
aus diesen Tagen sind eingebrannt, obwohl wir Kinder sehr sehr behütet
wurden und man uns fernhalten wollte und im Innern der Botschaft verbarg. Es
gelang nicht immer!
Ich kann mich an erschossene Menschen erinnern, an den Schrecken,
als wir im kleinen Fernseher in der Empfangshalle der Botschaft die Bomben auf
nur allzu bekannte Gebäude fielen sehen, an die geflüsterten Schreckensnachrichten
der Erwachsenen (u. a. Maria, die Schulköchin weg; Mario, der Schulbusfahrer
erschossen), eine Familie Scheich, die in letzter Minute Bombenhagel entkam
(mit den Töchter hatte ich oft Zeit verbracht), an eine fürchterliche
Nacht in der San Sebastian mit meiner Mutter mit pausenlosem Maschinengewehrgeknatter
und zersplitterten Scheiben und Armeestiefel im Hausflur, an Essensrationen
in der Botschaft (die weniger uns Kinder betraf, aber die wir Kinder bemerkten),
an Flüchtlinge in der Botschaft, versteckte Menschen (u. a. im Fernschreiberraum?)
- ein fürchterliches Durcheinander geballter Eindrücke.
Auch beginnen hier meine Probleme mit den Geheimnissen eines Staates.
Meine persönlichen Erinnerungen an diese Wochen wurden durch alle Beteiligten
(und besonders vehement durch meine Eltern) wieder und wieder bestritten und
für falsch erklärt. Es ist mir nie gelungen, darüber in Ruhe
zu reden. Manchmal fand ich andere Deutsche, die zu diesem Zeitpunkt in Santiago
waren. Aber sie waren damals nicht in der Botschaft, konnten nichts sagen. Eine
Mauer aus Schweigen hatte sich um diese Zeit geschlossen. Geblieben sind die
fürchterlichen Erinnerungen an diesen September.
El Cantor - DDR-Film von und mit Dean Reed gewidmet
dem chilenischen Sänger Victor Jarra, der in Unitad Popular als "El Cantor"
gefeiert wurde und nach dem Sturz der Allende-Regierung ein Opfer der Putschisten
wurde. Dieser Film hat viele Erinnerungen wachgerufen.
2006 - Dezember - 10.
Pinochet ist tot!
Er
wurde für die nachfolgenden Ereignisse und die jahrzehntelange Schreckensdiktatur
bis 1990
nie zur Verantwortung gezogen!
11. 09. 1973: Terror im
eigenen Land
Die Bilder vom blutigen
Militärputsch in Chile am 11. September 1973 gingen um die Welt. Flammen
schlugen aus dem Dach des Amtssitzes von Präsident Salvador Allende in
der Hauptstadt Santiago de Chile. Die chilenische Luftwaffe bombardierte den
"Palacio de la Moneda", anschließend erstürmte die Armee
den Palast. In einer letzten Radioansprache wandte sich Allende an die Bevölkerung:
"Ich werde meinen Posten nicht verlassen. Ich werde mit meinem Leben das
Amt verteidigen, das mir das Volk gegeben hat". Danach fand man ihn erschossen
auf. Bis heute ist unklar, ob er wie offiziell erklärt Selbstmord beging,
oder ob er erschossen wurde.
Der faschistische
Putsch in Chile = Eine Chronik der Ereignisse
29. Juni 1973:
Der erste Putschversuch der Militärs. Da sich der Befehlshaber des Heeres,
General Prats, auf die Seite der verfassungsmäßigen Regierung stellte,
wurde der Putsch niedergeschlagen.
Juli und August 1973:
Verunsicherung und psychologischer Druck auf die Bevölkerung und die Armee:
Verfassungsklagen der Opposition, Überfälle auf Lebensmittel- und
Materialtransporte
Aufruf zur Wirtschaftssabotage, von amerikanischem Kapital finanzierter Streik
(Streikgelder höher als Löhne !) der Fuhrunternehmer.
Streik der Einzelhändler, Ärzte und des Flugpersonals (ihnen waren
ungerechtfertigte Privilegien entzogen worden)
Eliminierung der loyalen Kräfte in der Armee: Ermordung Kapitän Araya;
Mordanschlag auf General Prats, weitere Morde innnerhalb der Armee; Verurteilung
von Marineoffizieren, die Putschpläne enthüllten, durch das Militärgericht.
bewaffnete Überfälle und Sprengstoffanschläge durch die Terrororganisation
"Patria y Libertad". Zwischen 23.Juli und 5.September wurden insgesamt
1015 Terroranschläge bekannt.
Razzien durch die Armee in Arbeitersiedlungen und staatlichen Betrieben, teilweise
mit Schußwaffeneinsatz (Berufung auf das "Gesetz über Waffenkontrolle")
Propagandafeldzug in den rechtsgerichteten Medien: angebliche Attentatspläne
und bewaffnete Extremisten; Forderung an den Präsidenten, sich das Leben
zu nehmen.
24. August:
General Pinochet tritt als Oberbefehlshaber des Heeres an die
Stelle von General Prats. Bereits vorher wurde der Oberbefehlshaber der Luftwaffe,
General Ruiz, durch General Leigh abgelöst.
4. September:
Kleinhändler beginnen einen unbegrenzten Streik; öffentliche
Verkehrsmittel sind zum großen Teil außer Betrieb; es herrscht Benzinmangel.
Der langandauernde Streik der Fuhrunternehmer führt in vielen Bereichen
der Industrie zur Einstellung der Produktion.
11. September 1973:
4:30 Uhr
Besetzung aller strategisch wichtigen Punkte in den beiden großen
Hafenstädten Valparaiso und Concepcion durch Marine und Luftwaffe (Postämter,
Verwaltungen, Universitäten, Parteibüros, Druckereien, Rundfunkstationen,
Betriebe, Brücken).
Unterbrechung des Telefonverkehrs zur Hauptstadt
Santiago.
Verhaftung aller linken Funktionäre, die "gefährlichsten"
werden sofort erschossen.
7:30 Uhr
Präsident Allende trifft mit Leibwache in der "Moneda"
ein. Davor wartet bereits ein Heer von Journalisten auf die kommenden Ereignisse.
8:00 Uhr
Rechtsgerichtete Rundfunksender übertragen eine "Proklamation
der Militärregierung". Diese beinhaltet die Amtsenthebung des Präsidenten
und die Ausrufung des Kriegsrechtes.
8:30 Uhr
Umstellung des Regierungssitzes "Moneda" durch Panzereinheiten.
Aufforderung an alle Radiosender, eigene Programme einzustellen. Aufforderung
an die Bevölkerung, zu Hause zu bleiben. Aufforderung an den Präsidenten,
sich zu ergeben.
Präsident Allende erklärt über Radio "Portales",
daß er nicht zurücktreten und das ihm übertragene Amt verteidigen
werde.
9:00 Uhr
Radio "Portales" wird durch einen Bombenangriff ausgeschaltet.
Die Militärs melden die Einstellung aller nicht von ihnen kontrollierten
Radiosendungen.
Entgegen dieser Behauptung sendet Radio "Magellanes"
noch und ermöglicht die Übertragung der Letzten Rede von Präsident
Allende.
9:30 Uhr
Ultimatum der Militärs, den Palast der Moneda bis 11:00 Uhr
zu räumen; ansonsten erfolgen Luftangriffe. Verbot an alle Arbeiter, ihre
Betriebe zu verlassen. Bei Zuwiderhandlung droht sofortige Erschießung.
Hubschrauber kreisen über der Stadt und kontrollieren alle Bewegungen.
Strategisch wichtige Institutionen der Hauptstadt werden militärisch angegriffen
und - teilweise nach erbitterter Gegenwehr - besetzt. Dieses sind: alle Großbetriebe,
Technische Universität, Banken, Parteibüros, Zeitungen, Ministerien
und Behörden. Im Nationalstadion von Santiago wird ein Konzentrationslager
eingerichtet.
10:30 Uhr
Präsident Allende lehnt das Angebot der Kapitulation und
freien Ausreise ins Ausland ab. (Viele Jahre später wurden Tonbandprotokolle
von Beratungen Pinochets bekannt, die belegen, daß auch im Falle der Kapitulation
Allendes dessen Ermordung fest eingeplant war.)
10:45 Uhr
Einige Personen, darunter 2 Töchter Allendes, verlassen unbewaffnet
die Moneda.
11:00 Uhr
Bombardierung des Präsidentenpalastes Moneda. Gleichzeitig
wird auch der Wohnsitz von Allende angegriffen.
11:30 Uhr
Alle Reporter werden gezwungen, die Gegend um die Moneda zu verlassen.
Es beginnen die Versuche, den Palast zu stürmen, von dort erfolgt heftige
Gegenwehr.
12:00 Uhr
Anweisung einer totalen Ausgangssperre für die gesamte Stadt
Santiago ab 15:00 Uhr bei Androhung der Erschießung für jede Zuwiderhandlung.
13:00 Uhr
In der "Universidad de Chile" wird die Arbeit eingestellt.
14:00 Uhr
Einnahme der Moneda.
16:00 Uhr
Der Leichnam Präsident Allendes wird unter größten
Sicherheitsvorkehrungen aus der Moneda geholt und mit einem Hubschrauber abtransportiert.
19:00 Uhr
Die Militärjunta, bestehend aus den 4 Befehlshabern der Waffengattungen,
stellt sich im Fernsehen (Canal 13) vor. Die Befehlshaber der Marine (J. T.
Merino) und der Carabineros (C. Mendoza) haben sich erst im Verlauf des Putsches
selbst eingesetzt. Es werden Zustimmungserklärungen von Berufsverbänden
verbreitet.
12. September:
Vollständige Ausgangssperre für die gesamte Provinz
Santiago. Vestärkung des Terrors, der Hausdurchsuchungen und Erschießungen.
Stürmung der kubanischen Botschaft, Verwundung des Botschafters und Ausweisung
aller kubanischen Diplomaten. Veröffentlichung von Namenslisten gesuchter
Personen, Beginn der Hetzjagd im ganzen Land. Berufung der neuen Minister (fast
ausschließlich Militärangehörige).
13. September:
Brasilien, Uruguay und Paraguay erkennen die Militärjunta
diplomatisch an. Fortsetzung der Terrorwelle und der Verhaftungen. Etwa 7000
Personen, darunter auch Ausländer, befinden sich in dem im Nationalstadion
eingerichteten KZ. Es erfolgen die ersten Deportationen auf die Inseln Quiriquina
und Selkirk. Der Oberste Gerichtshof stellt sich hinter die Militärjunta.
Der Kardinal von Santiago äußert Bedauern über die Ereignisse.
Auflösung von Parlament und Senat, Verbot von Parteien und bestimmten Gewerkschaften.
14. September:
Die Ausgangssperre wird tagsüber zu bestimmten Zeiten
aufgehoben. Der Reihe nach werden in den Stadtvierteln alle Wohnungen durchsucht.
Tag und Nacht sind Schüsse aus Gewehren und Maschinenpistolen zu hören.
Schulen und Universitäten bleiben bis auf weiteres geschlossen.
24. September:
Der weltbekannte Dichter und Nobelpreisträger Pablo
Neruda stirbt in seinem von den Militärs völlig isolierten Haus in
Chile, einen Tag vor der geplanten Ausreise der Familie ins mexikanische Exil.
Noch am Vortag hatte der französiche Botschafter ihm im Namen der französischen
Regierung den Orden der Ehrenlegion überrreicht.
25. September:
Trotz der Militärpräsenz versammeln sich Tausende,
um Pablo Neruda die letzte Ehre zu erweisen. Sein Haus wurde inzwischen von
den Militärs völlig verwüstet. In einem Bericht der französischen
Sonderkorrespondentin heißt es:
... Fensterscheiben zerschossen, das
Bett zerstochen, Schränke zertrümmert und Zeitschriften und Bücher
verbrannt. Nerudas Katafalk steht inmitten von Glasscherben, zerrissenen Fotos
und zersplitterten Tonkrügen ...
26. September:
Ein großer Teil der in Chile befindlichen DDR-Bürger,
darunter meine Mutter und ich (mein Vater kam erst Anfang 1974
zurück),
verläßt das Land mit einem der ersten Flugzeuge, die auf dem Flughafen
von Santiago de Chile nach dem Putsch wieder starten dürfen.
Die Regierungen
der USA und Israels erkennen die Putschisten offiziell an.
In Chile werden
alle bei freien Kommunalwahlen gewählten Bürgermeister und Gemeinderäte
abgesetzt.
26.Januar 1974:
Alle unter der vorherigen Regierung herausgegebenen Banknoten
verlieren ihre Gültigkeit. Die Umtauschaktion wird mit der Tatsache begründet,
daß sich schädliche politische Propaganda darauf befindet. Wer jetzt
noch solches Geld besitzt, wird mit Gefängnis bedroht.
Chile 1973: Eine Illusion
begraben (Mike Gonzales)
Am 11. September 1973
um 8 Uhr 45, wurde der Präsidentenpalast Santiagos, der Hauptstadt Chiles,
von Flugzeugen der Luftwaffe bombardiert. Der Präsident, Salvador Allende,
sendete seine letzte Botschaft aus einem Raum der Residenz. Er starb kurze Zeit
später in den Trümmern des Gebäudes.
Militärputsche waren in Lateinamerika nichts Unbekanntes und beschworen
im Ausland nur wenige Proteste herauf. Der Putsch in Chile jedoch spornte Demonstrationen
überall in der Welt an und war überall ein zentrales Thema der politischen
Debatte.
Chile wurde von Vielen der Linken international als Leuchtfeuer der Hoffnung
für revolutionäre Veränderung in den 70er Jahren gesehen. Die
Präsidentenwahlen von 1970 spiegelten den Umschwung wieder, der in der
Luft lag. Die landbesitzende Klasse und der Finanz- und Industriesektor fühlten
sich immer stärker bedroht.
Überall in Lateinamerika wurden Reformen und Modernisierung versprochen,
um jeder Wiederholung der kubanischen Revolution von 1959 vorzubeugen. In Chile
leisteten, wie überall woanders auch, die mächtigen landbesitzenden
Klassen an jeder Front Widerstand gegen die Landreformen. Des Wartens müde
begannen Bauern und landlose Arbeiter einfach damit, ungenutztes Land zu besetzen.
Das wirtschaftliche Wachstum in den 60er Jahren trieb viele Menschen in die
Stadt, um Arbeit zu suchen. Es gab keine Unterkünfte für sie und sie
begannen damit, leere Stellen für behelfsmäßige Wohnungen in
Beschlag zu nehmen. Der Marsch von Studenten des ganzen Landes auf die Hauptstadt
war 1969 Teil der sich verändernden Athmosphäre.
Im Herzen der sich ausdehnenden Krise wuchs das Niveau der Aktivitäten
der Arbeiterklasse heran ? als eine Antwort auf die ökonomische Krise und
die Enttäuschung über die christ?demokratische Regierung. Die Anzahl
der Streiks stieg zwischen 1969 und 70 scharf an. Chile hatte eine lange Gewerkschaftstradition
und eine Geschichte sozialistischer Organisationen.
Vor diesem Hintergrund leitete der siegreiche Präsidentschaftskandidat,
Salvador Allende, eine Koalition, die die Kommunisten und andere kleine Parteien
einschloß, die Volkseinheit (Unidad Popular) genannt wurde.
"Ein kleines Erdbeben" war Allendes Sieg für Robert Moss, einen
späteren Ghostwriter von Thatcher. Tatsächlich hatte er aber nur 36
Prozent der Stimmen in einer Parlamentswahl gewonnen. Aber Allende hatte sich
selbst zum Marxisten erklärt und bezeichnete sich als Sprecher des 'chilenischen
Wegs zum Sozialismus'.
Dies war Allendes vierter Versuch, die Präsidentschaftswahlen zu gewinnen.
Vor allem war er jemand, der an das Prinzip glaubte, daß der Staat über
der Gesellschaft stehe und daß seine Institutionen ? die Richter, die
Armee, die Gerichte, das Parlament ? nicht unter Kontrolle der herrschenden
Klasse stünden. Er glaubte fest daran, daß die anderen Parteien und
Seiten die Wahlurne respektieren würden. Sein Verständnis von Sozialismus
war die Reform der Gesellschaft von oben, durch die Institutionen des kapitalistischen
Staates und mit der Zustimmung aller Klassen.
So sagte er 1971:
"Chile sieht sich selbst der Notwendigkeit gegenüber, einen neuen
Weg zum Aufbau einer sozialistischen Gesellschaft zu initiieren - unseren eigenen
revolutionären Weg, einen pluralistischen Weg... Chile ist heute die erste
Nation auf Erden, die dazu berufen ist, dieses zweite Modell der Umwandlung
zu einer sozialisten Gesellschaft zu schaffen... Skeptiker und Katastrophenbeschwörer
werden sagen, daß ein Parlament, das der herrschenden Klasse so gut gedient
hat, nicht imstande ist, sich selbst in ein Parlament des chilenischen Volkes
zu verwandeln. Es wurde gesagt, daß die Streitkräfte und die nationale
Polizei ... nicht den Volkswillen in seiner Entscheidung unterstützen werden,
den Sozialismus in unserem Land aufzubauen. Diese Menschen übersehen das
patriotische Bewußtsein der Streitkräfte und der nationalen Polizei,
ihre Berufstradition und ihren Gehorsam gegenüber der zivilen Herrschaft."
Dieses Konzept der Reform erklärt die Bedeutung von Chile. Kommunistische
und sozialistische Parteien traten überall für breite Wahlfronten
und einen parlamentarischen Weg zum Sozialismus ein und behaupteten, die soziale
Umwandlung könne ohne Konflikt zustande gebracht werden. Für sie war
Chile der Beweis, daß ein Marxist über die Wahlurne an die Macht
kommen könne.
'Macht' bedeutete für Allende und seine UP?Verbündeten Schlüsselpositionen
in einer Staatsmaschinerie einzunehmen, die sie als neutral definierten.
Für die Arbeiterklasse vertrat die UP?Regierung die Hoffnung auf eine wirkliche
Veränderung. Allendes erste Amtshandlung war es, die Kupferindustrie zu
verstaatlichen, die die Masse der chilenischen Exporteinnahmen ausmachte. Allendes
ökonomisches Programm basierte auf einer landesweiten Lohnerhöhung,
die den Konsum anregen und so die ganze Wirtschaft in Bewegung bringen sollte.
Eine Anzahl von Firmen, einschließlich Fabriken und Banken in ausländischem
Besitz, wurde verstaatlicht, wenn auch bei weitem nicht in dem Ausmaß,
das ursprünglich angekündigt worden war. Allende versprach, das lahmgelegte
Landreform?Programm durchzuführen, während er den Landbesitzern großzügige
Entschädigungen zubilligte und darauf bestand, daß alles über
die Gerichte laufen sollte. Als die Landbesetzungen stattfanden, verurteilte
Allende sie.
Aber von unten kamen immer mehr Initiativen, die auf eine ganz andere Interpretation
der 'Volksmacht' schließen ließen. Als die Grundbesitzer versuchten,
Arbeiter zu zwingen, das Land zu verlassen, stießen sie auf den Widerstand
der Massen. Als die Läden die Preise heraufsetzten oder mit gehorteten
Waren künstliche Engpässe schufen, öffneten örtliche Verteilungskommitees
die Geschäfte wieder und teilten die Mittel den Bedürfnissen entsprechend
zu. Als einige Fabrikbesitzer versuchten, die Produktion zu verlangsamen oder
Maschinerie insgeheim fortzuschaffen, wurden sie von Arbeiterorganisationen
aufgehalten. Und 1971 erreichte die Anzahl der Streiks ihren bisherigen Höhepunkt,
als Arbeiter die Initiative über Löhne und Arbeitsbedingungen und
in einigen Fabriken sogar die Kontrolle der Produktion in die eigene Hand nahmen.
Mitte 1971 zeigten die Lokalwahlen eine wachsende Unterstützung für
das Projekt der "Volksmacht"; Allende aber rief die Arbeiter auf,
angesichts der Attacken der herrschenden Klasse Zurückhaltung zu üben.
Im November 1971 gingen Frauen der Ober? und Mittelklasse (und ihre Dienstmädchen)
auf die Straße. Sie schwenkten leere Kochtöpfe, um die Lebensmittel?Engpässe
anzuprangern. Tatsächlich aber hatten die leeren Regale, über die
sie sich beschwerten, ihre Ursache in ihrem eigenen Horten von Lebensmitteln.
Der Protest zeigte, daß die herrschende Klasse ihr Selbstvertrauen unter
Allende zurückgewann, und seine Strategie war es, alles zu tun, um einer
schwankenden, ängstlichen Mittelklasse zu beteuern, daß ihre Interessen
gesichert seien.
Im Januar 1972 wurde der Innenminister Jose Toha von einem von Christdemokraten
beherrschten Kongress seines Amtes enthoben. Im selben Monat attackierte die
Sozialistische Partei öffentlich die Linke. Im Mai wurden in Concepción
auf Anweisung des kommunistischen Bürgermeisters Schüsse auf eine
Demonstration abgefeuert. Im Juni wurde der Wirtschaftsminister, der mit der
Ausweitung der Verstaatlichung identifiziert wurde, rausgeworfen. Die Strategie
der Volkseinheit, der bei zwei Kongressen in diesem Jahr zugestimmt wurde, unterstützte
eher die 'Konsolidierung' (Festigung) als das Fortschreiten ? und die Angriffe
gegen die Linke, insbesondere gegen die "Bewegung der revolutionären
Linken" (MIR) nahmen stark zu.
Es lag nun an der Arbeiterklasse, das Versprechen auf Veränderung zu erfüllen,
von dem sie dachte, die UP stünde dafür; die Grenzen des 'chilenischen
Wegs zum Sozialismus' wurden, wie bei allen anderen Wahlstrategien auch, von
der herrschenden Klasse als Preis für ihre Mitarbeit gezogen. Das war ein
Preis, den Allende bereitwillig zahlte, obwohl öffentlich bekannt war,
daß die Rechte den Sturz der Regierung vorbereitete. Trotzdem sah Allende
in der Massenmobilisierung von unten eine Bedrohung für die Regierung -
und nicht ihre einzige Stütze.
In Concepción brachte eine Volksversammlung im Juli Delegierte von linken
Parteien und Massenorganisationen zusammen, um eine Strategie zu diskutieren.
Was wichtiger war, ist, daß die Schaffung des ersten Cordón zeigte,
was Arbeiterdemokratie wirklich bedeutete. Der Cordón brachte Fabrikarbeiter,
Landarbeiter, lokale Organisationen der Bewohner der Barackensiedlungen und
Verteilungskommitees zusammen, um die direkte Kontrolle über lokale Angelegenheiten,
über Verteilung und in einigen Fällen über die Produktion selbst
auszuüben. Wie die Sowjets, die 1917 die Grundlage der Arbeitermacht in
Rußland waren, wurden die Cordónes von unten aufgebaut - ungeachtet
der Feindseligkeit der Regierung. Im August griff die Polizei mit Billigung
der Regierung eine Barackensiedlung in Santiago an; ihre Angst, die Unterstützung
der Mittelklassen zu verlieren, wurde wieder und wieder in der Serie von darauf
folgenden Konfrontationen deutlich. Der Kampf erreichte deutlich eine neue Phase.
Der Oktober war der Beweis. In diesem Monat traten die Eigentümer des öffentlichen
Transports und der LKWs, von denen Chile zum Gütertransfer abhängig
war, in Streik. Ihre Führer kamen von einer vom Faschismus beeinflußten
Organisation, die in den unteren Mittelklassen verwurzelt war. Aber das Gros
des chilenischen Transportwesens (83%) war im Besitz von Geschäftsleuten
mit anderen Interessen. Das war die Kriegserklärung der herrschenden Klasse,
und die Arbeiterklasse antwortete sofort. Die LKWs wurden wieder zurück
auf die Straße geschafft; Geschäfte, die geschlossen worden waren,
wurden gewaltsam wieder geöffnet und die Waren demokratisch verteilt; Fabrikbesitzer,
die versuchten, die Produktion zu stoppen, wurden aus dem Werk geworfen und
die Arbeit ging weiter; Zeitungen und Radiosender, die von ihren Besitzern geschlossen
worden waren, wurden unter der Kontrolle der Arbeiter wieder eröffnet.
Es war ein Kampf, der von der Arbeiterklasse gewonnen wurde, da die Arbeiter
unabhängig handelten.
Auf der einen Seite mit der mobilisierten Kraft der herrschenden Klasse und
auf der anderen mit der Antwort der Arbeiterklasse konfrontiert, war die Regierung
gelähmt. Nun war es Allendes Hauptsorge, die Kontrolle zurückzugewinnen.
Und es war der bürgerliche Staat, den er - gegen die Arbeiterklasse - zu
seiner Unterstützung mobilisierte. Er wandte sich an die Armee3, um wieder
Ordnung zu schaffen, indem er sich Generäle ins Kabinett holte.
Zwischen Oktober 1972 und Juli 1973 gab es in Chile zwei Mächte. Die Regierung
der Volkseinheit, die von der kommunistischen und sozialistischen Partei beherrscht
wurde, wurde ihren Verbündeten in der herrschenden Klasse immer höriger,
insbesondere dem Militär. Neue Organisationen, die durch den Kampf selbst
geradezu aus dem Boden schossen, suchten nach einer neuen Strategie, die von
einer klaren, sozialistischen Linie geleitet werden sollte. Hier lag die Verantwortung
der Revolutionäre ? aber das bedeutete einen entschiedenen Bruch mit den
Reformisten und ihrem Weg über Wahlen.
In diesem Schlüsselmoment war die politische Aufgabe klar. Die Rechte hatte
Blut geleckt, und die Regierung ersetzte ihren Wankelmut immer mehr durch Angriffe
auf die Massenbewegung. Im Verlauf des Oktobers war eine Anzahl von Fabriken
besetzt worden, um die Bemühungen ihrer Eigentümer, die Produktion
stillzulegen, aufzuhalten. Die Regierung forderte die Arbeiter auf, sie zurückzugeben.
Es gab erheblichen Widerstand. Von den Parteien der Volkseinheit erhob nur die
christliche Linke Einspruch gegen die Anwesenheit des Militärs im Kabinett,
und im Februar 1973 schlug der kommunistische Wirtschaftsminister die Reduzierung
der verstaatlichten Sektoren der Wirtschaft und die Rückgabe aller besetzten
Werke vor.
Trotzdem zögerten die Parteien der Linken, debatierten und zankten sich
untereinander. Es wurde ein koordinierendes Kommitee für die Cordónes
gebildet, welches hauptsächlich von Mitgliedern der Basis der sozialistischen
Partei geleitet wurde; es war zumindest der Keim für eine nationale Herrschaft.
Aber die anderen Organisationen der Linken, so z.B. die MIR, bauten in sektiererischer
Konkurrenz parallele Organisationen auf. Die Führer des Koordinatotionskomitees
der Cordónes blieben in der Sozialistischen Partei und erklärten,
sie seien dabei, sie von unten zu verändern. Und tatsächlich unterstützte
die MIR bei den Wahlen im März sozialistische Kandidaten, die noch in der
UP waen. Die UP vergrößerte ihren Stimmanteil unter den Arbeitern
- und benutzte das neue Vertrauen in sie, um im April den nächsten Angriff
auf die Linke zu unternehmen.
Überall traten neue Formen der Organisation und der Herrschaft in Erscheinung.
Eine spontane Volksversammlung trat tagelang in Villa Constitución zusammen;
viele neue Cordónes wurden gegründet. All das geschah im Zusammenhang
mit einer sich vertiefenden Wirtschaftskrise, die noch durch Embargos gegen
chilenische Exporte verschärft wurde, das Ausbleiben ausländischer
Investitionen (mit Ausnahme des mysteriösen kontinuierlichen Zustroms an
Militärhilfe!) und die Flucht des einheimischen Kapitals. Patricio Aylwin,
der neue Führer der Christdemokraten (und der heutige Präsident Chiles),
trat öffentlich für eine 'Politik der verbrannten Erde' ein, für
die Unterminierung der Regierung mit wirtschaftlichen und politischen Mitteln.
Die Schlägerkommandos der Rechten waren auf der Straße aktiv. Am
29. Juni wurde ein Putschversuch schnell niedergeschlagen - aber er war ganz
klar eine Probe für weitere militärische Aktionen.
Die Regierung jedoch sah die Arbeiter immer noch als Hauptbedrohung für
ihre Existenz. Die Kupfer?Bergleute in El Teniente, die stärksten und kämpferischsten
Gewerkschafter im Land, wurden von Allende angegriffen, der von ihnen verlangte,
einen geringeren Tariflohn zu akzeptieren, als in ihren Verträgen festgesetzt
war. Sie lehnten das ab und traten in Streik - woraufhin sie von allen Organisationen
der Linken als reaktionär verurteilt wurden. Die Rechte nutzte die Gelegenheit,
erklärte sich mit den Streikenden solidarisch und nahm sie für sich
in Anspruch. In Wahrheit hatten diese Arbeiter nur ihren Lebensstandard und
ihre Rechte gegen eine Regierung verteidigt, die sie nicht mehr länger
vertrat. Unter solchen Umständen hätten sie die aufrichtige Unterstützung
der Linken verdient. Anstatt dessen wurden sie mit militärischen Straßensperren
konfrontiert, als sie nach Santiago marschierten, und die Linke war still.
Das Finale war arrangiert. Im Juli riefen die LKW-Besitzer, die Unternehmer
und Andere einen "unbegrenzten Streik, um die Regierung zu stürzen"
aus. Wieder antworteten die Arbeiter - und wieder prangerten ihre Führer
sie für die Schaffung 'paralleler' Organisationen an. Die MIR rief im Juli
zum bewaffneten Aufstand auf, warnte dann aber ein oder zwei Wochen später
davor, unabhängig von den 'traditionellen' Organisationen zu handeln. Als
der August begann, war das Militär wieder in Allendes Kabinett, und Sozialisten
und Gewerkschafter wurden überall im Land verhaftet und gefoltert. Als
die Sozialisten in der Marine und in den Luftstreitkräften öffentlich
davor warnten, daß Vorbereitungen für einen Putsch im Gange sind,
bedankte sich Allende bei ihnen für ihren Patriotismus und übergab
sie den Militärgerichten.
Einige in der Linken wandten sich an die Masse der einfachen Soldaten in der
Armee, aber die Armee kann man nur spalten, wenn eine starke und unabhängige
Arbeiterorganisation existiert, die darauf vorbereitet ist, die Macht zu übernehmen
und den Staat zu zerschlagen. Eine solche war aber nicht aufgebaut worden.
Als das Militär dann am 11. September zuschlug war niemand überrascht.
Ein oder zwei Tage vorher hatte die Kommunistische Partei ein Plakat veröffentlicht,
in dem es hieß "Nein zur Gewalt von links und rechts". Als die
Armee die Macht übernahm, wurde den Kämpfern gesagt, sie sollen nach
Hause gehen und "weitere Instruktionen abwarten" - es kamen aber keine
weiteren Instruktionen. Aber einem Beobachtet war bereits bei einer eine Woche
zurückliegenden Demonstration aufgefallen, wie sehr sie durch eine Athmosphäre
der Niederlage geprägt war. Der Kampf war schon verloren.
Revolutionäre Momente warten nicht auf die Entscheidungen von Revolutionären;
das Gleichgewicht wird zu der Klasse hin kippen, die am entschlossensten ist,
die Macht zu übernehmen. In Chile handelte die herrschende Klasse mit Selbstvertrauen,
um ihre Interessen zu verteidigen. Sie wußte zwar, daß die chilenischen
Arbeiter kämpfen würden, aber sie wußte auch, daß die
politische Führung der Arbeiterklasse entwaffnet war.
Es gibt nichts besonders Brutales an der herrschenden Klasse Chiles, dennoch
wurde ihre Reaktion nach dem September zum Inbegriff für Blutbäder.
Nach einer konservativen Schätzung zufolge wurden 30.000 ermordet und weitere
Zehntausende gefoltert, eingekerkert, verbannt und verhungert. Warum? Es war
bezeichnend, daß die Unterdrückung vor allem die Aktivisten an der
Basis, die Führer in den Elendsvierteln und die militanten Arbeiter betraf.
Sie waren die wirkliche Bedrohung, viel eher als die Bürokraten und die
politischen Führer, die am Ende bewiesen, daß sie lieber einen Kompromiß
eingehen, als ihre Versprechen denjenigen gegenüber zu erfüllen, die
sie an die Macht gebracht hatten. Die herrschende Klasse Chiles hat reagiert,
wie jede andere herrschende Klasse, die den Spuk der Arbeitermacht kurz erblickt
hat, indem sie versuchte, die ganze Erfahrung auszurotten und jeden zu ermorden,
der den aufstrebenden Kampf der chilenischen Arbeiterklasse geführt hatte.
Was in Chile vor 20 Jahren passiert ist, war der Schlußakt eines brutalen
Klassenkampfes, der mit der massiven Niederlage der Arbeiterklasse geendet hat.
Die Antwort der Linken war weltweit die, daß Allende die Errichtung des
parlamentarischen Sozialismus viel zu schnell betrieben habe. In Wahrheit führten
sein Hin? und Herschwanken und seine Attacken auf die Arbeiter zur Niederlage.
Es dauerte 17 Jahre bis der Führer des Putsches, General Augusto Pinochet,
sein Amt niederlegte - aber er bleibt eine starke Macht in der chilenischen
Politik. Die "Rückkehr zur Demokratie" begann 1990 mit seiner
Abdankung. Seitdem sind viele, die in den dazwischen liegenden Jahren vor dem
Militärregime geflohen waren, zurückgekehrt. Was sie vorfanden, ließ
nicht annehmen, daß ihr langes Exil in einem Sieg geendet hatte. Die Folter
und die Unterdrückung, die das Pinochet-Regime kennzeichnete, blieb praktisch
unbestraft. Viele, die in diesen Schreckensjahren mit dem Regime kollaborierten
oder unter einer Decke steckten, bekleiden nun Regierungsämter.
Die Arbeiterklasse hatte den Preis für diese neue 'Versöhnung' zu
bezahlen - 35% leben in Armut, die Arbeitslosigkeit ist hoch, und diejenigen,
die in den Pinochet-Jahren reich wurden, werden geschützt.
Heute sind einige derselben Leute, die in der Volkseinheit waren, wieder in
der Regierung, jetzt als Verbündete der Parteien und Individuen, die diesen
blutigen Putsch gegen die Arbeiter Chiles geplant und ausgeführt hatten.
Was machen die Linken? Sie verstreuen die gleichen Illusionen und schieben ihre
Entscheidung immer noch hinaus. Es gibt nichts, was sie entschuldigen könnte.
Sie haben gesehen, was einem Machtkampf widerfährt, der nicht auf die unabhängige
Organisation der Arbeiterklasse baut und der keine Strategie für die Unterwerfung
des Staates hat.
Die Lehren von Chile gehören zu unserer Bewegung - und sie erheben sich
aus der Asche der Illusion, die unter den Trümmern von Allendes Präsidentenpalast
begraben liegt. Gonzales, M.: Burning an Illusion in "Socialist Review"
No.167, London, Sept.1993
Das Lied "El pueblo unido
jamás
será vencido"
("Das vereinte Volk wird niemals besiegt werden") war neben "Venceremos!"
die zweite Hymne der chilenischen Volksfrontbewegung "Unidad Popular",
in der sich die werktätige Bevölkerung organisierte, um für eine
sozialistische Gesellschaft sowie gegen die Macht der Agrarmonopole, der ausländischen
Konzerne und gegen den drohenden Faschismus zu kämpfen. Die führenden
Persönlichkeiten der Unidad Popular waren Luis Corvalán (geb. 1916;
oben links), Generalsekretär der Kommunistischen Partei, sowie vor allem
der Sozialist Salvador Allende (1908-1973; oben rechts). 1970 gewann Allende
als Kandidat der Unidad Popular die Präsidentschaftswahlen und bildete
eine Volksfrontregierung. Ihr Ziel war die Schaffung einer antimonopolistischen
Demokratie, von der aus der Weg zum Sozialismus beschritten werden sollte. Dafür
wurden zunächst konkrete antiimperialistische und antimonopolistische Maßnahmen
initiiert: die Kupferminen, der Kohleabbau, die Textil- und Bausstoffindustrie
sowie das Bankwesen wurden nationalisiert bzw. verstaatlicht, eine umfassende
Landreform sollte zu einer Umverteilung des Bodens auf Kosten der GroßgrundbesitzerInnen
führen. Nun musste vor allem der US-Imperialismus handeln, sahen sich doch
u.a. ITT, Pepsi und die Chase Manhattan Bank um ihre Profite und ihr Recht auf
Ausbeutung der ChilenInnen betrogen. Die US-Konzerne und die CIA entwarfen Pläne,
die chilenische Regierung, die durch ihre erfolgreichen Sozialmaßnahmen
stetig an Zustimmung in der Bevölkerung gewann, zu stürzen. Schließlich
war es der 11. September 1973, als General Augusto Pinochet mit Unterstützung
der USA einen blutigen Militärputsch durchführte, bei dem Allende
ums Leben kam. Corvalán wurde auf die Gefängnisinsel Dawson verschleppt,
aber schließlich nicht zuletzt aufgrund der internationalen Solidaritätsbewegung
freigelassen. Die folgenden 17 Jahre des Terrors der faschistischen Diktatur
unter Pinochet bedeuteten für zigtausende ChilenInnen Tod, Folter oder
Emigration. Text und Musik des Liedes "El pueblo unido" stammen
ebenso wie die Musik von "Venceremos!" von dem chilenischen Komponisten
Sergio Ortega (1938-2003), der selbst Mitglied der KP Chiles war. Ortega komponierte
dieses Lied während des Präsidentschaftswahlkampfes Allendes 1970,
als er vor allem mit den Musikern der Gruppe "Quilapayún" zusammenarbeitete,
die auch zu den bekanntesten Interpreten dieser Nummer gehören. Aber Ortega
war nicht nur in der Volksfrontbewegung politisch engagiert (wofür er auch
nach dem Putsch 1973 ins Exil nach Frankreich musste), sondern auch ein Komponist
mit einem überaus breit gefächerten Repertoire: so schrieb er u.a.
auch Kammer- und Orchestermusik sowie eine Oper, deren Handlung auf einem Text
von Pablo Neruda über den chilenischen Freiheitskämpfer Joaquin Murieta
basierte. Die hier gespielte MP3-Datei ist die Version des Liedes der chilenischen
Gruppe "Inti Illimani", die unter diesem Namen 1967 gegründet
wurde und bereits im Wahlkampf 1970 Allende unterstützte. Die Zeit nach
dem blutigen Putsch Pinochets 1973-1988 verbrachten die Bandmitglieder im Exil,
ihre Auftritte und ihr Eintreten für Gerechtigkeit und Freiheit und gegen
die faschistische Diktatur in Chile machten sie weltweit bekannt und populär.
"Inti Illimani" existiert bis heute, seit 1969 hat die Band über
30 Alben aufgenommen, neben "Quilapayún" ist sie zweifellos
die wichtigste chilenische Musikgruppe mit politischem Anspruch. Die Bezeichnung
der Band leitet sich folgendermaßen her: das Wort "Inti" bedeutet
Sonne und ist indianischer Herkunft, "Illimani" ist der Name
des zweithöchsten Berges Boliviens in der Nähe von La Paz.